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07.08.2015

Vorschau auf die Schweizer Meisterschaften

Vor Jahresfrist war Andreas Kempf an den Schweizer Meisterschaften in Frauenfeld seiner Favoritenrolle gerecht geworden. In Abwesenheit des mittlerweile zurückgetretenen Freiburgers Rolf Rüfenacht und des Meisters von 2013, Adriano Engelhardt (US Ascona), holte sich der 27-Jährige vom TSV Düdingen über die 5000 m in 14:28 Minuten seinen ersten Titel bei der Elite. «Die Konkurrenz wird diesmal ein bisschen stärker sein», blickt Kempf voraus. «Engelhardt ist wieder dabei und bestimmt mein stärkster Konkurrent.» Einziger namhafter Abwesender in Zug wird Julien Wanders sein. Der Genfer, der im Mai den 42 (!) Jahre alten Junioren-Rekord von Markus Ryffel über 5000 m um 15 Sekunden auf 13:48 verbessert hatte, ist verletzt. Aus Wut über sein schlechtes Rennen an der Junioren-EM in Schweden im Juli schlug er mit der Faust gegen eine Wand und brach sich dabei einen Finger…(Anm. von mir: Mittlerweile ist er schon wieder in St. Moritz im Trainingslager)

Auch wenn eine Meisterschaft nie ein Selbstläufer sei, so startet Kempf dennoch zuversichtlich zur Mission Titelverteidigung. «Meine Form ist gut. Ich konnte gut trainieren und habe keine körperlichen Beschwerden.» Vor drei Wochen lief Kempf, dessen Fokus auf der Schweizer Meisterschaft liegt, in Belgien einen 5000er und verpasste die persönliche Bestleistung (14.02) nur um vier Sekunden.

Sein nächstes grösseres Ziel in dieser Saison werden die Military World Games vom Oktober in Südkorea sein. Nachdem er 2014 die Limite für die Universiade um vier Sekunden verpasst hatte und überraschend für die Team-EM nicht aufgeboten wurde, ist er nun für die Militär-Weltspiele vorselektioniert. «Deshalb werde ich diesmal nicht am Murtenlauf starten können», sagt Kempf, der den Gedenklauf 2014 als Elfter beendet hatte.

Längerfristig hat der Freiburger die Leichtathletik-EM 2016 in Amsterdam im Visier. «Wenn ich im September meine Bachelor-Arbeit in BWL abgegeben haben werde, kann ich mich nur noch auf das Laufen und den Job (Red.: 40-Prozent-Stelle) konzentrieren.» So hofft Kempf auch, den Freiburger Rekord über 5000 m von Rüfenacht (13:55) verbessern zu können. .

Quelle Text: Freiburger Nachrichten


01.08.2015

Solid, aber mutlos

Nach einem harten, zufriedenstellenden Trainingsblock Ende Juni/Anfangs Juli in der Hitze in Bern, ging es zurück auf den Wettkampfplatz. An der Spitzenleichtathletik Luzern über die 1500 Meter lief es mir jedoch nicht so, wie ich mir dies erhofft hatte. Die Beine waren noch etwas schwer, und das zügige Lüftchen, welches durch die Luzerner Allmend blies, war nicht gerade förderlich für gute Zeiten. So erreichte ich nach einem engagierten Rennen den 4. Rang in ernüchternden 3:55,04.

Der grössere Stellenwert hatte für mich jedoch das 5000-Meter-Rennen vier Tage später an der KBC Nacht in Heusden/BEL. Besser erholt und bei perfekten Bedingungen (windstill, 20° C) machte ich mich auf, die angestrebte Zeit unter 14 Minuten zu erreichen. Bis 2000 Meter konnte ich mich am Ende der Spitzengruppe halten und passierte bei 5:31 (Pace für unter 13:50). Danach verliess mich ein wenig der Mut, und ich hoffte, dass sich hinter den Führenden eine zweite starke Gruppe bilden würde. Es bildete sich zwar eine solche Gruppe, jedoch wollte/konnte niemand das Tempo aufrechterhalten. So wurden die Rundenzeiten immer langsamer und der „Vorsprung“ auf die 14-Minuten-Grenze schmolz dahin. Am Schluss stoppte die Uhr für mich bei soliden 14:06,95, was zeigt, dass ich nach wie vor in einer sehr guten Verfassung bin. Aber leider nutzte ich an diesem Abend die Chance auf eine neue persönliche Bestzeit nicht.

Nun liegt der Fokus ganz auf der Mission Titelverteidigung in einer Woche an den Schweizer Meisterschaften in Zug. Ich wünsche allen einen schönen Nationalfeiertag – Happy Birthday Switzerland!


29.06.2015

Ziele für die 2. Saisonhälfte gefasst

Der Juni begann für mich leider nicht besser, als der Mai aufgehört hatte. Nach der verpassten Universiade-Qualifikation wurde ich, für mich doch eher überraschend, von Swiss Athletics nicht für die Team-EM in Heraklion/GRE berücksichtigt. Bittere Pille! Nun blieb mir nichts anderes übrig, als wieder voll ins Training einzusteigen und neue Ziele zu fokussieren. Und diese sind:

1. Meine 5000-Meter-Bestzeit am 18.07. an der KBC Nacht in Heusden/BEL nochmals zu verbessern

2. Meinen Titel über 5000 Meter am 08.08. an den Schweizermeisterschaften in Zug zu verteidigen

Zur Vorbereitung dieser Rennen wage ich mich zweimal auf die 1500-Meter-Distanz. Vergangenes Wochenende in Nottwil lief es mir in 3:54,76 schon ganz ordentlich. In zwei Wochen in Luzern will ich jedoch zeigen, dass da noch mehr drin liegt.

Doch vor den Ausflügen auf die Unterdistanz, leistete ich an den Schweizermeisterschaften über 10‘000 Meter in Langenthal meinem Mitbewohner Adrian Lehmann einen Freundschaftsdienst. Ich stellte mich für die Hälfte der Distanz als Pacemaker zur Verfügung. Denn Ädu wollte vor seinem Heimpublikum nicht nur den Titel gewinnen, sondern über die 25 Bahnrunden auch endlich eine Zeit von unter 30 Minuten realisieren. Doch bei den heissen und windigen Bedingungen konnte ich das Tempo nur bis 4200 Meter halten und verabschiedete mich dort aus dem Rennen. Auch Ädu musste seine Ziele betreffend der Zeit zurückstecken, gewann aber in 30:24 Minuten souverän.

Kurze Schlussbemerkung: Da Ädu sich nun nach St. Moritz ins Marathontraining verabschiedet hat, und Chrigi der Pechvogel sich beim Halbironman in Rapperswil das Schlüsselbein gebrochen hat, habe ich ein neues „Trainingsgspänli“ organisiert. Florian Lussy, mit dem ich in Tenero bereits das Zimmer geteilt hatte, wird aus der einsamen Innerschweiz für zwei Wochen zu uns in die Läufer-WG nach Bern ziehen. Let’s train!

Quelle Fotos: athletix.ch


30.05.2015

Tagebuch einer 6-tägigen Reise mit zwei 5000-Meter-Rennen

22.05.2015: Mit der Mission „Universiade-Limite unterbieten“ im Kopf fuhren mein Coach Erwin Grossrieder und ich morgens um 08:00 Uhr los in Richtung Belgien. Knapp neun Stunden später, nach einem Mittagshalt in Luxemburg und einem Zeitverlust von einer Stunde im Verkehrschaos von Brüssel, trafen wir im Veranstalterhotel Keizershof in Aalst ein. Bevor wir müde ins Bett fielen, gab es noch ein 40-minütiges Footing und etwas zu Essen im hübschen, überschaubaren Städtchen.

23.05.2015: Der erste der beiden 5000-Meter-Läufe stand schon heute auf dem Programm. Gut ausgeschlafen und gefrühstückt, ging ich nochmals ein wenig meine Beine vertreten. Da die 5000-Meter-Rennen aufgrund der tieferen Temperaturen und den günstigeren Windverhältnissen meistens am späteren Abend stattfinden (Startzeit: 22:10 Uhr), muss man nun irgendwie die Zeit bis zum Wettkampf totschlagen. Mein Programm sieht dann meistens wie folgt aus: Gemütlich etwas nicht mehr allzu schwer Verdauliches zu Mittagessen, Nickerchen machen, Startliste studieren, Renntaktik zurechtlegen, lesen/TV schauen, viel trinken, um 17:00 Uhr nochmals essen (Kartoffelstock, Weissbrot und Banane), duschen, Rucksack mit den Wettkampfkleidern/-schuhen packen, Musik hören und dann geht es endlich in Richtung Stadion! Um ca. 20:00 Uhr trafen mein Coach, meine Eltern, die mittlerweile auch angereist waren, und ich im 10 Autominuten entfernten Oordegem am IFAM (International Flanders Athletics Meeting) ein. Nach dem üblichen Prozedere mit Startnummer abholen, Einwärmen und Nagelschuhe anziehen, wurde ich gemeinsam mit meinen 39 (!) Konkurrenten im Startbereich aufgereiht. Nun stand ich also nervös an dieser Startlinie mit nur einem Ziel vor Augen: In weniger als 13:58,00 die Ziellinie zu überqueren! Leider vergingen aber an diesem leicht windigen belgischen Abend genau 4,6 Sekunden mehr, bis ich die 5000 Meter hinter mich brachte. Im Ziel wusste ich zuerst nicht recht, ob ich mich freuen oder ärgern sollte. Ich zeigte ein gutes, aktives Rennen, habe viele Löcher zugelaufen und stellte eine neue persönliche Bestzeit von 14:02,60 (vorher 14:03,89) auf. Jedoch hatte ich es verpasst mit einer von Anfang an besseren Position im Feld oder einer schnelleren letzten Runde die Universiade-Limite zu erfüllen. Somit war auch klar, dass ich ungefähr 90 Stunden später in Koblenz wieder an der Startlinie stehen würde. Also wurden mit Regenerationsshake und Eisbad gleich die ersten Erholungsmassnahmen eingeleitet. Anschliessend war es mit so vielen Emotionen und Gedanken im Kopf nicht ganz einfach einzuschlafen…

24.05.2015: …und am nächsten Morgen wieder aufzustehen. Kurz bevor das Frühstücksbuffet um 10:00 Uhr weggeräumt wurde, gingen Trainer und Athlet Morgenessen. Danach stand am heutigen Tag nicht mehr allzu viel auf dem Programm: 50 Minuten Dauerlauf, Mittagsschlaf, kleines Sightseeing in Aalst und ein ausgiebiges Abendessen gemeinsam mit meinen Eltern.

25.05.2015: Nach dem Morgenessen und ein bisschen wellnessen im Hotel verabschiedeten wir meine Eltern und fuhren weiter nach Deutschland ins rund 300 Kilometer entfernte Koblenz. Untergebracht in der Sportschule Oberwerth, wurde für das Abendessen ein gutes italienisches Restaurant in der Altstadt aufgesucht. Zuvor wurden aber noch für 45 Minuten Laufen, ein wenig Gymnastik und einige Steigerungen die Laufschuhe geschnürt.

26.05.2015: Ausgeruht und gestärkt vom Frühstücksbuffet, joggte ich 30 Minuten dem Rhein entlang. Anschliessend ging es auf eine kleine Shoppingtour, gefolgt von einem Powernap. Am Nachmittag war es dann mit der ruhigen Zweisamkeit mit meinem Coach vorbei. Die knapp dreissig anderen Schweizer Athleten/innen inkl. Betreuer kamen in der Sportschule an. So waren wir eine grosse Gruppe, die vor dem Abendessen noch einen 40-minütigen Dauerlauf mit einer kleinen Besichtigung des Stadions, welches rund ein Kilometer von der Sportschule entfernt liegt, absolvierte.

27.05.2015: Nun war der Tag der letzten Chance gekommen. Da die Qualifikationsperiode für die Universiade nur bis Ende Mai dauert, würde heute für mich die letzte Möglichkeit sein die Limite zu knacken. Die Wettkampfvorbereitung lief ziemlich gleich ab wie vor vier Tagen. Die Wetterbedingungen waren ideal, was vom Starterfeld nicht ganz behauptet werden konnte. Von den persönlichen Bestzeiten her war ich einer der Schnellsten. Überdies erfuhren wir am Start noch, dass es keinen Pacemaker haben wird. Schlechte Voraussetzungen für ein regelmässiges Renntempo und eine schnelle Endzeit. Denn in solchen Rennen möchte meistens niemand seine Kräfte mit Führungsarbeit verschwenden, und doch will sich jeder ziemlich weit vorne im Feld einreihen. Oder kurz gesagt: Jeder will eine schnelle Zeit laufen, aber niemand will sich opfern! Und genau so kam es leider. Zwar versuchten wir Schweizer im Feld, insbesondere mein Mitbewohner Adrian Lehmann und ich, uns an der Spitze abzuwechseln und für ein anständiges Tempo zu sorgen. Aber spätestens nach 3000 Metern (Durchgangszeit 8:34) war klar, dass es nichts wird mit einer Zeit in der Nähe oder unter der Limite. Also versuchte ich meine Taktik zu ändern und lief auf Sieg. Das klappte bis eine Runde vor Schluss, an zweiter Stelle liegend, ganz gut. Dann touchierte mich ein Läufer beim Überholen leicht und brachte mich dadurch ein wenig aus dem Gleichgewicht. In diesem Moment spürte ich plötzlich die müden Beine und meine Leidensfähigkeit war am Ende. Frustriert vom Rennverlauf und enttäuscht über mich, dass ich nicht bis am Schluss k(a)empfen konnte, überquerte ich die Ziellinie als 15. mit 14:17,70. So gab es vor dem Einschlafen noch einiges an Gesprächsstoff zwischen meinem Coach und mir.

28.05.2015: Nach dem letzten Frühstücksbuffet dieser Woche traten wir die Heimfahrt an. Dort ging es weiter mit der Analyse der beiden Rennen und der Wettkampfplanung ohne Universiade. Zuhause angekommen wurde noch eine Stunde ausgelaufen, bevor zwei lauffreie Tage anstanden.

Mit ein bisschen Abstand schaue ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf diese sechs Tage zurück. Ich lief in einem nicht ganz optimalen Rennen eine neue persönliche Bestzeit, sprich ich bin so gut in Form wie nie zuvor. Trotzdem verpasste ich die angestrebte Universiade-Qualifikation und lieferte eine schlechte Leistung im zweiten Rennen ab. Nun gilt es die Lehren daraus zu ziehen und vorwärts zu schauen. Vielleicht klappt es dieses Jahr ja doch noch mit einer Zeit von unter 14 Minuten…


17.05.2015

Geglückter Saisonauftakt

Mein erstes Bahnrennen in dieser Saison bestritt ich am Auffahrts-Meeting in Langenthal über die 3000 Meter. Das Ziel war, sich für die anstehenden 5000-Meter-Rennen noch die letzte Wettkampfhärte zu holen. Dies gelang mir mit dem 2. Rang hinter dem Marokkaner Mohammed Boulama und einer Zeit von 8:16,26 einigermassen gut.

Kurz zum Rennverlauf: Mein Vereinskollege Jari Piller übernahm freundlicherweise als Pacemaker die Führungsarbeit auf der ersten Hälfte. Anschliessend ging ich an die Spitze und führte das Feld bis 100 Meter vor Schluss an. Da kam der kurze Antritt Boulamas, welchem ich nicht mehr viel entgegenzusetzen hatte.

Fazit: Ich wäre gerne einige Sekunden schneller gewesen und hätte das Rennen selbstverständlich vor meinen anwesenden Freunde und Familie gerne gewonnen. Doch nach so viel Führungsarbeit und einer Zeit von nur drei Sekunden über meiner persönlichen 3000-Meter-Bestzeit, kann ich mit meinem Saisonauftakt dennoch zufrieden sein. Nun geht es am 23.05. in Oordegem/BEL und am 27.05. in Koblenz/GER darum, die Limite für die Universiade von 13:58,00 über 5000 Meter zu knacken. Let’s go!

Quelle Fotos: athletix.ch