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24.03.2016

Gastkolumne in den Freiburger Nachrichten


18.02.2016

Über Iten und Berlin nach Amsterdam?

Nach einem Trainingslager in Iten (Kenia) verpasste Andreas Kempf in Barcelona die EM-Limite im Halbmarathon nur knapp. Im April unternimmt der Freiburger in Berlin den nächsten Anlauf, um sich für Amsterdam zu qualifizieren.

2012 lief Andreas Kempf beim Greifenseelauf zum ersten Mal ein Rennen über die Halbmarathondistanz von 21 Kilometern. «Und damals auch nur, weil dieser Lauf zum Post-Cup zählte.» Am vergangenen Sonntag realisierte der 27-Jährige vom TSV Düdingen in Barcelona in 1:06,25 Stunden im zweiten Anlauf sogleich die viertbeste Zeit, die von einem Freiburger Athleten je gestoppt wurde. Die kantonale Bestzeit hält Marius Hasler, seit er 1992 den Halbmarathon in 1:05,37 Stunden gerannt war.

Lange Zeit auf EM-Kurs
«Mit dem Formstand und dem Gefühl, das ich während des Rennens hatte, bin ich sehr zufrieden», sagt Kempf, dessen Freude trotz der guten Vorstellung nicht uneingeschränkt ist. Er verpasste die EM-Limite nur gerade um 40 Sekunden. «Die äusseren Bedingungen in Barcelona waren top, ausser, dass ein Westwind mit 30 km/h blies. Dadurch hatten wir auf den ersten sowie den letzten fünf Kilometern mit Gegenwind zu kämpfen. Gleich nach dem Start konnte ich mich noch in einer Gruppe verstecken, auf den letzten Kilometern musste ich aber alleine laufen. Bis Kilometer 15 war ich noch auf Limitenkurs.» Ein kleiner Trost für ihn war, dass er quasi im Vorbeigehen gleich zwei Freiburger Rekorde, nämlich jene über die Distanzen von 15 und 20 km, auf 47:06 Minuten respektive 1:02,59 Stunden verbessern konnte (siehe FN vom Dienstag). Kempf relativiert aber: «Das hängt damit zusammen, dass in früheren Jahren noch keine offiziell zertifizierten Zwischenzeiten genommen wurden. Ich gehe schwer davon aus, dass Marius Hasler bei seinem Freiburger Rekord im Halbmarathon die besseren Zeiten hatte.»

Dass sich der Schweizer Vizemeister und ehemalige Titelhalter über 5000 m im Halbmarathon versucht, hat einen einfachen Grund. «Die EM-Limite über diese Distanz ist verhältnismässig einfacher zu erreichen, weil es im Halbmarathon, der erstmals im Angebot ist, auch noch eine Teamwertung gibt», erklärt Kempf. «Zudem setzt der europäische Verband die Hürde weniger hoch an als für die Stadiondisziplinen.» Nachdem der Freiburger im Vorjahr die Limite über die 5000 m für die Heim-EM in Zürich verpasst hatte, will er es nun für die kontinentalen Meisterschaften vom Juli in Amsterdam über die längere Distanz versuchen. «Vorläufig ist geplant, am 3. April die Limite in Berlin noch einmal anzugreifen. Sollte aus irgendeinem Grund, wie zum Beispiel wegen Krankheit oder aber auch wegen ungünstigen Wetters, etwas dazwischenkommen, überlege ich es mir, noch einen weiteren Versuch zu unternehmen.» Viel Zeit hat Kempf allerdings nicht. Bereits Ende April geht die Qualifikationsperiode für den Halbmarathon zu Ende. «Falls es mit der EM-Limite nicht klappen sollte, habe ich mir eine gute Ausdauerbasis für die Bahnsaison geschaffen, die erst so Mitte Mai beginnt.»

160 km in der Woche
An seinen Grundlagen hatte Kempf zuletzt mitunter in Kenia gearbeitet. Während dreieinhalb Wochen war der Sensler im Westen des Landes im Läuferparadies Iten, nahe der Stadt Eldoret, im Trainingslager. «Für mich war es eine Premiere. Ich hatte das Glück, dass mein Mitbewohner Adrian Lehmann, aber auch Christian Kreienbühl, Michael Ott und Maja Neuenschwander, die mit dabei waren, alle schon einmal dort gewesen sind, und dass ich somit von ihren Erfahrungen profitieren konnte. Die Zeit in Kenia war extrem bereichernd und spannend.» Rund 160 km lief Kempf bei angenehmen Temperaturen um die 20 Grad pro Woche, üblich sind für ihn 120 bis 130 km. «Laut Lehrbuch sollte man nicht viel mehr trainieren als zu Hause, weil man in der Höhe ist (Red.: 2400 M. ü. M.). Um dem Rechnung zu tragen, war die Intensität etwas tiefer.»

Das in Kenia Erlebte ins Training in die Schweiz zu übertragen, sei aber nicht ganz so einfach. «Hier herrscht der Alltag mit Arbeit», sagt Kempf. Mitgenommen habe er mit Sicherheit ein Stück von der Mentalität der afrikanischen Läufer, die sich durch ein schlechtes Training nicht gleich aus der Ruhe bringen lassen würden. «Und die Motivation fürs Schuften, um besser zu werden.» Auch die Erfahrung mit der Höhe sei wichtig gewesen. «Ich kam zwei Wochen vor dem Start in Barcelona zurück. Das ging recht gut auf, und ich habe mich sehr gut gefühlt.» Das werde ihm helfen, kommende Wettkämpfe vorzubereiten.

Start beim Kerzerslauf
Apropos nächste Wettkämpfe: Für Kempf werden das der Bremgarter Reusslauf (27. Februar) und der Kerzerslauf (19. März) sein. Im Seeland, wo er bisher noch nie über die 15 km gestartet ist, wird der Freiburger ein Wiedersehen mit Konkurrenz aus Afrika feiern können. «Ich werde mich nicht zu fest an den Afrikanern orientieren können», sagt er schmunzelnd. «Mein Ziel wird sein–je nachdem, wer am Start ist–, bester Schweizer zu werden.»

Quelle: Freiburger Nachrichten vom 18.02.2016

Fotos: Halbmarathon in Barcelona


31.01.2016

Goodbye Kenya

Nach einigen Tagen Akklimatisation und drei Wochen mit je über 160 Laufkilometern heisst es für mich wieder Abschied nehmen vom Läuferparadies Iten/KEN. Es war eines der spannendsten und interessantesten Trainingslager bis jetzt in meinem Leben. Nun hoffe ich, dass dieser Kenia-Aufenthalt mich auch sportlich weiterbringt. In zwei Wochen beim Halbmarathon in Barcelona/ESP wird mein Formstand bereits das erste Mal auf den Prüfstand gestellt. Drückt mir die Daumen!


25.01.2016

15 Differences between Kenyan and Swiss Runners

Jambo!

Diesen Winter schloss ich mich für ein Trainingslager der Schweizer Marathon Rekordhalterin Maja Neuenschwander und den Schweizer Marathonläufern Adrian Lehmann, Christian Kreienbühl und Michael Ott an, und verbringe mit ihnen dreieinhalb Wochen in Kenia. Dies nicht nur um dem europäischen Winter zu entfliehen, sondern auch um einmal live zu sehen, wie die besten Langstreckenläufer der Welt trainieren. Hier in Iten ist einer von unzähligen Trainingsstützpunkten der Kenianer in der Nähe der Stadt Eldoret und des Rift Valleys im Westen Kenias.

Wir wählten die „europäische“ Variante und sind, anstatt in einem einheimischen Trainingscamp, im schönen Hotel Kerio View untergebracht. Da wird für uns gekocht, das Zimmer geputzt und die Kleider gewaschen. Eigentlich das Einzige, was wir selber machen müssen, ist schlafen, essen, trainieren und ab und zu duschen. Glücklicherweise hat es fliessend Wasser sowie Strom und sogar Internet. Trotzdem bekommen wir natürlich etwas von der Lebensweise der einheimischen Läufer mit. Deshalb hier die 15 Unterschiede zwischen den Kenianischen und den Schweizer Läufern, welche ich bis jetzt beobachten konnte:

1. Wohnort: Hochebene vs. Flachland
Die Kenianer leben hier permanent auf bis zu 2400 Metern über Meer, während wir Zuhause im Flachland wohnen. Somit sind die Mechanismen in ihrem Körper gewohnt mit weniger Sauerstoff auszukommen. Dadurch haben sie an den Wettkämpfen in tiefer gelegen Gebieten einen Vorteil, weil ihrem Körper zur Muskelversorgung plötzlich mehr Sauerstoff zur Verfügung steht.

2. Trainingsstart: Frühaufstehen vs. Ausschlafen
Während es uns häufig schwer fällt am Morgen aus dem Bett zu kommen, sind in Kenia um kurz nach 6:00 Uhr alle zum ersten Training des Tages bereit. Die klimatischen Bedingungen und der frühe Sonnenaufgang begünstigen einen frühen Trainingsstart.

3. Trainingsmethode: Gefühl vs. GPS-Uhr
Wer denkt, dass die Kenianer völlig ohne Struktur trainieren, irrt sich gewaltig. Am Dienstag steht Bahntraining, am Donnerstag Fahrtspiel und am Samstag Long Run auf dem Programm. Alle anderen Trainings (mind. zwei täglich, ausser am Sonntag ist Ruhetag, oder es wird nur ein kurzes Footing absolviert) dienen primär der Verbesserung der aeroben Ausdauer und bestehen aus Dauerläufen in teilweise gemächlichem Tempo. Während wir uns meistens strikt an Pulswerte und/oder an eine vorgegebene Pace halten, trainieren viele Kenianer einfach nach Gefühl. Jedoch „täuscht“ sie ihr Gefühl häufig, in dem sie einfach mitlaufen bis sie nicht mehr können. Deshalb gilt oft „the strongest survives“, was zwingend dazu führt, dass sich viele Kenianer völlig verheizen. Dafür gehören die, welche diese Trainings überstehen, zu den besten der Welt.

4. Trainingsgruppe: Gemeinsam vs. Einsam
Da die Kenianer fast ausschliesslich in Gruppen (von bis zu 50 Läufern) trainieren, besteht die vorher beschriebene Gefahr, dass die Trainings für viele zu hart sind. Dafür mangelt es ihnen nie an Trainingspartnern und Motivation. Bei uns muss man sich hingegen häufig alleine zum Laufen aufraffen. Erschwerend kommt hinzu, dass den wenigen Schweizer Spitzenläufern oftmals nur kurze Zeitfenster am Tag zum Training zur Verfügung stehen, und sie sich meistens genau an ihren Trainingsplan halten wollen. Deshalb bleibt für Kompromisse, um Trainingseinheiten in Gruppen zu absolvieren, nicht viel Spielraum übrig.

5. Laufstrecken: Coupierte Dirtroads vs. Flache Strassen
In diesem hügeligen Gebiet hier um Iten ist es praktisch unmöglich einen flachen Dauerlauf zu machen. Ausserdem gibt es nur eine asphaltierte Strasse. Alle anderen Wege sind sogenannte Dirtroads, welche aus einem roten staubigen Erduntergrund bestehen. Das dämpft nicht nur die Schläge auf den Körper, sondern fordert auch gehörig die (Fuss-)Muskulatur. Bei uns wird im Gegensatz dazu mangels Alternativen häufig auf asphaltierten Wegen gelaufen. Zudem wird bevorzugt flach trainiert (sonst würde sich ja die Durchschnittspace des Dauerlaufs unnötig verschlechtern).

6. Infrastruktur: Aschenbahn vs. Tartanbahn
Der berühmt berüchtigte Kamariny Track in Iten ist eine Aschenbahn, die ungefähr 408 Meter lang ist. Mittlerweile gibt es zwar eine 400-Meter-Tartanbahn in der Nähe, der Eintritt ist jedoch so hoch, dass man dort praktisch nur europäische Athleten antrifft. Das heisst, die Kenianer absolvieren ihre Bahntrainings auf einer (zu langen) Aschenbahn, während wir auf perfekten, genau ausgemessen Tartanbahnen trainieren.

7. Laufschuhe: Gebrauchte rote vs. Neue farbige
Während bei uns bereits Hobbyläufer mit den neusten farbigen Modellen der Schuhindustrie unterwegs sind, trainieren die meisten Kenianer (ausser den Top-Athleten) in geschenkten Occasion-(Lauf-)Schuhen. Die Farbe der Schuhe spielt dabei keine Rolle, da nach ein paar Trainings auf den Dirtroads sowieso alle Schuhe mit rotem Staub bedeckt sind.

8. Trainingsbekleidung: Lang vs. Kurz
Bei Temperaturen ab 15 Grad Celsius sieht man bei uns eigentlich keine Läufer in langen Trainingskleidern. Ganz anders hier, die Kenianer laufen sogar bei Temperaturen um 25 Grad Celsius in langärmligen Shirts und langen Tights (ausser beim Bahntraining). Ob sie wirklich kalt haben, die langen Kleider als Schutz vor der Sonne einsetzen, (übermässiges) Schwitzen als zusätzlichen Trainingseffekt ansehen, oder ob es dazu dient, ihre Kleidersammlung zu präsentieren und einen gewissen Lebensstandard zu untermauern, konnte ich noch nicht herausfinden. Ich war bis jetzt jedenfalls fast immer in kurzen Trainingskleidern unterwegs, um nicht mehr zu schwitzen (resp. Flüssigkeit und Mineralstoffe zu verlieren) als nötig.

9. Ernährung: Frisches unverarbeitetes Essen vs. Convinience-Food
Die kenianische Küche besteht primär aus lokalen frischen Früchten, Gemüse, Ugali (kohlenhydratreicher Maisbrei) und ein bisschen Fleisch. Fertiggerichte existieren kaum. Zudem wird Wert darauf gelegt, sich genügend Zeit zu nehmen zum Essen. Der durchschnittliche Schweizer Läufer ernährt sich bestimmt ungesünder und unter mehr Stress, als man das hier pflegt.

10. Erholung: Schlafen vs. Arbeiten
Ein grosses Problem vieler Schweizer Läufer stellt sicherlich die zu kurze Erholungszeit dar. Die meisten betreiben den Sport, wenn überhaupt, halbprofessionell und gehen noch einer anderweitigen Arbeit nach. In Kenia dagegen ist praktisch jeder, der einigermassen laufen kann, Profisportler und träumt von einer grossen Karriere. Deshalb bleibt genügend Zeit, um sich zwischen den Trainings wieder hinzulegen und sich zu entspannen.

11. Freizeit: Tee trinken vs. Handy/Computer/Fernsehen
In Kenia funktioniert das Leben generell noch ein bisschen gemütlicher. Man trinkt viel Tee, geniesst die Natur, geht zur Kirche und besucht einige Freunde. Unsere Freizeit ist meistens kurz und häufig auch noch verplant. Und haben wir einmal eine freie Minute übrig, beschäftigen wir uns mit einem unserer unzähligen elektronischen Geräte.

12. Genetische Veranlagung: Schwarz vs. Weiss
Die Wissenschaft tut sich zum Teil schwer mit diesem heiklen Thema. Wenn man jedoch die Schweizer Strassenläufe anschaut oder die Weltbestenlisten der letzten Jahre in den Laufdisziplinen konsultiert, ist die Frage berechtigt, ob Afrikaner beim Laufen einen genetischen Vorteil haben. Ein Artikel in der NZZ vom 02.06.2014 greift dieses Thema mit dem Titel „NZZ-Montagsklischee: Schwarze sind die besseren Läufer“ auf. Der Artikel beruft sich auf den britischen Physiologen Yannis Pitsiladis, der herausfand, „…dass die genetische Variabilität in Afrika viel grösser ist als im Rest der Welt. Das bedeutet, dass sich zwei kenianische Nachbarn im Erbgut viel deutlicher voneinander unterscheiden können als von einem Weissen weit weg in Europa.“ Wie kann man sich die Überlegenheit der afrikanischen Läufern dann erklären?

13. Kindheit: Viel Bewegung vs. Viel Sitzen
Der vorhergenannte Artikel aus der NZZ kommt zum Schluss, dass ein anderer Faktor als die genetische Veranlagung für die Überlegenheit der Afrikaner im Laufbereich verantwortlich ist. Nämlich die viel häufigere Bewegung der afrikanischen Kinder: „Eine grossangelegte Studie hat gezeigt, dass sich europäische Kinder durchschnittlich 11 bis 20 Minuten pro Tag moderat bis intensiv bewegen. Bei kenianischen Schülern mass Pitsiladis mit den Methoden der europäischen Studie 109 bis 234 Minuten. Moderate Bewegung entspricht leichtem Jogging. Das bedeutet, dass kenianische Kinder bis zu vier Stunden täglich laufen – und das über Jahre hinweg. Schon bei 14-Jährigen werden deshalb physiologische Werte gemessen, wie sie in Europa nur Spitzensportler aufweisen.“ Der Artikel kommt somit zum Schluss, dass Weisse zwar die Voraussetzungen zum Laufen haben. Aber wenn sie mit dem Training beginnen, sind die Schwarzen schon enteilt. Und ich kann bestätigen, dass wir während den Dauerläufen noch nie von so vielen laufbegeisterten Kindern wie hier angefeuert und zu Fuss (bis zu jeweils einigen hundert Metern) begleitet worden sind.

14. Mentale Einstellung: Selbstvertrauen vs. Selbstzweifel
Erfolgreiche Läufer sind in Kenia Helden und Idole. Und jeder kenianische Läufer ist überzeugt, in einigen Jahren selber Weltmeister zu sein. Zusammen mit ihrem starken Glauben an Gott, besitzen sie ein riesiges Selbstvertrauen. Der Grat zur Selbstüberschätzung ist jedoch schmal. Deshalb übernehmen sie sich häufig im Training oder beginnen einen Wettkampf viel zu schnell, und büssen dann dafür auf der zweiten Hälfte. Der typische Schweizer Läufer macht sich viele Überlegungen zum Training und zur Renntaktik, oft begleitet mit Gedanken wie „Bin ich zu schnell/langsam unterwegs?“ oder „Halte ich dieses Tempo bis zum Schluss durch?“. Dieses ständige Nachdenken anstatt einfach zu laufen, verhindert oft bessere Leistungen. Wenn wir jedoch mit einem gesunden Selbstbewusstsein an den Start gehen und das Rennen klug einteilen, sind plötzlich Kenianer schlagbar, die eigentlich stärker einzustufen sind als wir.

15. Doping: Unwissenheit vs. Kontrolle
Zu guter Letzt noch das leidige Thema Doping, das besonders im Moment in der Leichtathletik wieder allgegenwärtig ist. Es gibt über die aktuelle Situation in Kenia keinen Bericht von einer unabhängigen Kommission der Welt Anti Doping Agentur (WADA) wie über Russland. Trotzdem scheint es in Kenia (u.a. gemäss der ARD-Dokumentation vom deutschen Dopingexperten Hajo Seppelt) nicht schwierig zu sein, an unerlaubte Substanzen zu kommen. Korruption ist darüber hinaus in allen Bereichen Kenias, welches im internationalen Korruptionsranking 2014 der Organisation Transparency International Platz 145 von 175 untersuchten Ländern belegt, weit verbreitet. Weshalb es nicht erstaunt, dass das nationale Doping-Kontrollsystem schlecht funktioniert. Überdies wissen die meisten Kenianer nichts über die möglichen physischen und psychischen Folgen von Doping und haben bedingt gesellschaftliche Konsequenzen durch einen positiven Dopingfall zu befürchten, da die moralischen und ethischen Vorstellungen ein wenig anders sind als bei uns. Der Sport ist zudem für viele die einzige Perspektive und Chance zum sozialen Aufstieg. Gegen ein flächendeckendes staatliches Doping wie in Russland spricht allerdings, dass weder der kenianische Staat noch der nationale Leichtathletikverband über solche Strukturen und die nötigen Mittel zu verfügen scheinen. Des Weiteren sind die meisten Kenianer sehr arm und können sich gar keine unerlaubten Substanzen leisten. Die kenianischen Spitzenläufer mit ihren europäischen Trainern und Managern scheinen mir hingegen sehr gut organisiert und ziemlich suspekt. Dopende Schweizer Spitzenläufer sind selbstverständlich nicht prinzipiell auszuschliessen. Aber die Kontrollen durch die unabhängige Agentur Antidoping Schweiz, die mögliche gesellschaftliche Ächtung und das Bewusstsein für den eigenen Körper minimieren das Risiko des Doping-Missbrauchs beachtlich. Und nicht zuletzt sind die Ausbildungsmöglichkeiten und die Berufsaussichten in der Schweiz riesig im Vergleich zu Kenia, was den Stellenwert des Leistungssports in unserem Land beträchtlich relativiert.

Nun stellt sich die Frage, welche Schlüsse kann ich für mich aus diesen Unterschieden ziehen? Da ich meine Anzahl Minuten an Bewegung in der Kindheit nicht mehr erhöhen kann, liegt der Schlüssel zum Erfolg für mich weiterhin (ab und zu in Höhentrainingslagern) hart zu trainieren, mich gesund und ausgewogen zu ernähren, dem Körper die nötige Erholung zu gönnen, mental stark zu sein und für ein unabhängiges, flächendeckendes Anti-Doping-System einzustehen.

Kwaheri kutoka Kenya,
euer Andreas

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