News

16.07.2017

14:15, 14:12, 14:09...

Scheinbar bräuchte ich noch mindestens drei 5000-Meter-Rennen dieses Jahr, um die 14-Minuten-Grenze zu knacken. Wenigstens konnte ich gestern Abend am Memorial Rasschaert in Ninove/BEL bei guten Bedingungen und in einem für mich idealen Feld meine Saisonbestleistung noch unter 14:10 drücken. Bis 3600 Meter war ich sogar noch auf <14:00-Kurs. Leider kostete es mich eine Spur zu viel Energie, dieses Tempo zu laufen, was ich dann auf den letzten Runden büsste.

Nun freue ich mich auf das Trainingslager im Engadin, wo ich mich zum Saisonende so gut wie möglich auf den Berlin-Marathon vorbereiten will. Zuerst werde ich jedoch am kommenden Freitagabend an den Schweizer Leichtathletik Meisterschaften im Letzigrund noch um Edelmetall kämpfen. Lasst euch dieses Spektakel im Live-Stream oder live vor Ort nicht entgehen!


28.06.2017

Vier laufen beim Pilotprojekt unter 30

14 Läufer starteten in Regensburg am Montagabend im stillen Kämmerlein. Nicht alle Hoffnungen erfüllen sich.

Was machen Langstreckenläufer, die Schwierigkeiten haben, geeignete hochklassige Rennen zu finden? Ganz einfach: Sie organisieren sich einfach ihr eigenes Ding. Mehr oder weniger im stillen Kämmerlein hatten Kurt Ring und seine Crew von der LG Telis Finanz Regensburg die Pläne für ein Abendrennen über 10 000 Meter auf ihrer Trainingsbahn am Oberen Wöhrd in Regensburg entworfen, Zwei Schweizer, ein Allgäuer und elf Frauen und Männer aus der vereinseigenen Läufer-Armada traten am Montagabend spätabends um 22 Uhr bei immer noch hochsommerlichen Temperaturen von 25 Grad zu den 25 Bahnrunden zu einem offiziell angemeldeten Rennen mit Zeitnahme, Lautsprecheranlage und LG-Präsident Norbert Lieske als Stadion-Moderator an.

Nicht alle Hoffnungen erfüllten sich beim Pilotprojekt: Neun Läufer erreichten das Ziel – und am Ende stand bei herrlicher Athmosphäre vor handverlesenem Publikum von rund 50 meist persönlich aktivierten Zuschauern aus Verwandtschaft und Bekanntschaft ein Ergebnis, das seinesgleichen in Deutschland sucht: Angeführt von einem famosen Sieger Simon Boch, dem deutschen 10 000-Meter-Meister, der mit 29:14,21 Minuten weitgehend im Alleingang eine Klasseleistung und ähnliche Zeit wie bei seinem DM-Titel in Bautzen ablieferte, blieben vier Mann unter der magischen 30-Minuten-Grenze. Nur zur Einordnung: In diesem Jahr hatten das zuvor gerade 13 deutsche Läufer geschafft.

Neben Boch kam am Montagabend mit Tim Ramdane Cherif noch ein Telis-Mann mit neuer Bestzeit von 29:37,86 Minuten dazu. Auch für den Schweizer Andreas Kempf vom TSV Düdingen, der unlängst sein Land beim 10 000-Meter-Europacup vertrat, lohnte sich die Reise – Bestzeit (29:42,64). Die Nummer vier im Quartett war Olympiastarter Philipp Pflieger, der sich in der neuerlichen Vorbereitung auf den Berlin-Marathon im Herbst befindet (29:57,45).

Weitere hochrangige Starter sagten kurzfristig ab. Die zig-malige deutsche Meisterin Sabrina Mockenhaupt musste krank passen, die für Regensburg laufende Olympia-Marathonfrau Anja Scherl fehlte nach den Belastungen ihres Höhentrainingslagers. Derweil musste Corinna Harrer trotz der Tempomacher-Dienste von U-20-EM-Starterin Miriam Dattke einsehen, dass sie Geduld braucht – noch vor der Hälfte der Distanz war Schluss. Auch Jonas Koller zollte einem Arbeitstag im Sportladen Tribut und stieg aus.

Die meisten aber waren begeistert: Der erst vor ein paar Wochen zum Telis-Team gestoßene Nabburger Erik Hille (31:56,61, hinter Felix Plinke/31:28,24) schmiss eine kleine Kofferraum-Party mit Kuchen und Getränken. Und der Allgäuer Kevin Key (31:58,61), der in Regensburg übernachtete, sucht ebenfalls Anschluss. „Zu Hause bei mir bin ich immer alleine unterwegs.“ Der Versuch, Begeisterung zu wecken und die RT-Bahn zu läuferischem Leben wie vor Jahrzehnten zu erwecken, ist jedenfalls gelungen – und schreit nach Wiederholung.

Quelle Text: Mittelbayerische Zeitung vom 27.06.2017


12.06.2017

European 10‘000m Cup in Minsk/BLR

Zwei Tage, ein Wettkampf und tausende Eindrücke – etwa so lässt sich mein Ausflug nach Minsk an den 10‘000 Meter Europacup zusammenfassen. Am Freitagmorgen machten sich Martina Tresch, ihr Freund Marian Janoska und ich von Bern via Genf auf den Weg nach Minsk. Freundlich wurden wir am Flughafen von Volunteers empfangen und direkt ins schöne 4-Sterne-Hotel Victoria Olimp gebracht. Kurze Zeit später ging es bereits zur Stadionbesichtigung, welche mit einem lockeren Läufchen abgerundet wurde. Nach einem feinen Abendessen im Hotel sank ich anschliessend ziemlich müde ins Bett.

Der erste Eindruck von Minsk, welches am Fluss Swislatsch liegt, überraschte mich. Ich erwartete eine rückständige, heruntergekommene und eventuell eher schmuddelige alte Sowjet-Stadt. Doch ich fand eine schöne, sehr saubere und moderne Metropole vor, welche grosszügige Strassen, Plätze und Grünflächen zu bieten hat. Wie ich später erfuhr, wurde fast die ganze Stadt im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach auf dem Reissbrett neu geplant.

Am Samstag absolvierte ich die ganze normale Wettkampfvorbereitung mit Morgenjogging, kohlenhydratreichem Frühstück, Kartoffelstock-Mittagessen und Power Nap. Nach dem Einlaufen und der Prozedur mit Call Room 1 und 2 stand ich dann um 16:20 Uhr bei drückender Hitze an der Startlinie, um die 25 Runden in Angriff zu nehmen. Man hätte sich in diesem Moment zwar angenehmeres vorstellen können als 10`000 Meter zu laufen, aber ich war topmotiviert die 30-Minuten-Grenze zu durchbrechen.

Es ging ziemlich zügig los, und ich fand Unterschlupf in der zweiten Gruppe (der 1. Kilometer passierten wir in 2:55, die 3-Kilometer-Marke bei 8:50). Das hohe Anfangstempo konnten die Konkurrenten in meiner Gruppe zum Glück nicht ganz halten, sodass ich langsam einen relativ angenehmen Rhythmus fand. Bei Rennhälfte lagen wir mit 14:55 immer noch gut auf Kurs. Allmählich wurde es jedoch richtig hart und meine Gruppe verkleinerte sich stetig. Die letzten zwei Kilometer nahm ich dann gemeinsam mit dem Italiener Lorenzo Dini und dem Türken Sezgin Ataç in Angriff, die ich erst auf der letzten Runde ziehen lassen musste.

Völlig erschöpft benötigte ich im Ziel zuerst einmal einige Minuten zur Erholung. Mit 30:10,86 verpasste ich zwar die angestrebte Zeit, realisierte jedoch eine neue persönliche Bestzeit (PB) und klassierte mich mit dem 6. Rang in meiner Serie und dem 19. Gesamtrang weiter vorne als erwartet. Zudem zeigte sich beim Studieren der Rangliste, dass bei diesen Bedingungen fast alle eine halbe Minute oder mehr auf ihre PB verloren hatten, was meine Zeit entsprechend aufwertet. Somit war ich gar nicht so unzufrieden mit meiner Leistung und genoss den späteren Nachmittag in der Innenstadt von Minsk mit Martina (welche leider rund eine halbe Minute hinter ihrer PB blieb) und Marian beim Burger-Essen, bevor es dann am Abend an die Closing Party ging. Nach kurzer Nacht brachte uns ein Shuttlebus bereits um 6:00 Uhr an den Minsker Flughafen, von wo wir ohne Komplikationen wieder in die Schweiz reisten.

An dieser Stelle herzlichen Dank an Swiss Athletics für die Selektion sowie an Belarus Athletics und European Athletics für die tolle Organisation! Einziger Kritikpunkt: Wenn man das nächste Mal den Start noch auf den Abend verschieben würde, könnten die Athleten von besseren Bedingungen profitieren und noch schnellere Zeiten laufen. Übrigens, der erste Eindruck von Minsk bestätigte sich. Mir gefällt die Stadt nach wie vor sehr gut.

Videobeitrag: Youtube

Quelle Fotos: Belarus Athletic Federation


29.05.2017

Back on track

Nachdem ich letztes Jahr wegen der EM in Amsterdam vor allem auf den Halbmarathon gesetzt hatte, schwankte meine Gemütslage nun vor den ersten beiden 5000-Meter-Rennen dieses Jahres zwischen Vorfreude und Ungewissheit. An der Langen Laufnacht in Karlsruhe/GER ging ich bewusst defensiv ins Rennen und kam dank einer schnelleren zweiten Hälfte in zufriedenstellenden 14:15,47 ins Ziel. Eine Woche später am IFAM in Oordegem/BEL startete ich dann mutiger und offensiver, um an meine persönliche Bestzeit heranzulaufen. Diese verpasste ich aber mit 14:12,89 um ziemlich genau zehn Sekunden, da ich auf den letzten paar Runden dem schnellen Anfangstempo Tribut zollen musste.

Um nochmals einen Schritt vorwärts zu machen, werde ich nach dem 10‘000 Meter Europacup, der in knapp zwei Wochen in Minsk/BLR stattfindet, einen Monat lang keine Wettkämpfe bestreiten und mich gänzlich dem Training widmen. So hoffe ich, dass ich Mitte Juli in noch besserer Verfassung ein bis zwei 5000-Meter-Rennen absolvieren kann. Denn die zwei Meetings in Deutschland und Belgien haben mir wieder einmal gezeigt, wie einzigartig die Stimmung an solchen Bahnwettkämpfen ist. Ich meine, seht euch diese beiden Bilder von Karlsruhe an (Quelle: Lange Laufnacht):


14.05.2017

Premieren für Kempf und Giudice

Andreas Kempf wurde im Männerrennen des Altstadt-GP seiner Favoritenrolle gerecht. Bei den Frauen lief die 15-jährige Laura Giudice erstmals bei den Erwachsenen auf ein Podest.

Andreas Kempf bedeutete der erste Erfolg im Altstadt-GP viel. «Läufer wie Christian Belz und Philippe Bandi figurieren in der Siegerliste dieses Rennens», sagte der Freiburger, der am Dienstag 29 Jahre alt wird. In diesem Jahr war Kempf als Favorit über die 4.7 km gestartet.

«Ich bin mir bewusst, dass das Feld nicht so stark besetzt war», gab er zu. Mit Triathlet Florin Salvisberg verzichtete ein starker Konkurrent kurzfristig auf den Start. Auch Orientierungsläufer wie etwa Matthias Kyburz fehlten diesmal, weil der Altstadt-GP nicht in ihren Wettkampfkalender passten.

Kempf wurde erst vom Eritreer Sium Zerehannes (TV Olten) und Binyam Furui (ST Bern) begleitet. Mit letzterem hatte er kürzlich ein Bahntraining absolviert. «Ich wusste, dass er ein guter Athlet ist, ich aber eigentlich besser bin», sagte der Sieger. Beim Zytglogge setzte sich Kempf ab und lief einem ungefährdeten Sieg entgegen. Mit der Zeit von 14:22 Minuten war er nicht vollumfänglich zufrieden. «Ich musste lange alleine laufen», gab er zu bedenken.

In zwei Wochen will Kempf in einem 5000-m-Rennen in Oordegem (BEL) seine persönliche Bestzeit von 14:02 Minuten unterbieten. Im weiteren Saisonverlauf hat er den Freiburger Kantonalrekord von Rolf Rüfenacht über diese Strecke (13:55) im Visier.

Kempfs Fokus richtet sich auch bereits auf die Saison 2018 und die EM in Berlin. Noch ist nicht klar, ob er sich über 5000 m, 10`000 m oder gar im Marathon dafür qualifizieren will. «Im Herbst will ich einen ersten Marathon laufen. So könnte ich abschätzen, ob ich längerfristig auf diese Strecke setzen möchte», sagt der WG-Partner des Spitzenläufers Adrian Lehmann.

Als dieser im April für drei Wochen zu Trainingszwecken verreist war, übernachtete Kempf in dessen Zimmer. In diesem lässt sich dank eines Generators der Sauerstoffgehalt auf ein Niveau absenken, das in der Natur auf 2500 m herrscht. Kempf absolvierte so in Liebefeld ein dreiwöchiges «Höhentrainingslager», ohne verreisen zu müssen.

Text: Berner Zeitung vom 14.05.2017

Fotos: Andreas Blatter

Videobeitrag: TeleBärn