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30.08.2016

Merci Bulle!

Nach wunderschönen und erholsamen Ferien habe ich so langsam wieder das Training aufgenommen. Meine wahrscheinlich verrückteste Saison bis anhin rollten mein Trainer Erwin Grossrieder und ich noch einmal richtig auf, um wichtige Lehren für die Zukunft daraus ziehen zu können. Der gewonnene Europameistertitel mit dem Team schien auch dem SA Bulle nicht entgangen zu sein. So wurde ich Ende August an den Volksbahnlauf, der gleichzeitig als Freiburger Meisterschaften über 10‘000 Meter zählte, eingeladen und herzlich geehrt. Erstaunlicherweise konnte ich an diesem milden Spätsommerabend nach nicht einmal einem Monat moderatem Training bereits wieder unter 32 Minuten laufen und damit den Sieg nach Hause tragen. Herzlichen Dank an die Verantwortlichen des SA Bulle für diesen schönen Abend und den gelungenen Saisoneinstieg!


16.07.2016

Dringend nötige Pause

Da ich leider immer noch müde bin und mich zusätzlich erkältet habe, verzichte ich heute auf einen Start an den Schweizer Meisterschaften über 5000 Meter. Folglich verabschiede ich mich bereits jetzt in die dringend benötigte Saisonpause, welche ich ab Montag für knapp zwei Wochen mit meiner Freundin und ohne Laufschuhe auf Santorini verbringen werde. Wie es anschliessend weitergeht, wird Gegenstand von Diskussionen nach den Ferien mit meinem Coach sein. Ziemlich sicher scheint jedoch, dass ich spätestens am Murtenlauf wieder ins Wettkampfgeschehen eingreifen werde.


14.07.2016

Verrückte Europameisterschaften

Meine individuelle Leistung (resp. meine Form) war extrem schlecht, die Teamleistung dagegen fantastisch, besser gesagt europameisterlich! Ungefähr so lautet das Kurzfazit zu meiner ersten EM-Teilnahme, die fast nicht verrückter hätte sein können. Eine ausführlichere Version gibt es im folgenden Interview mit den Freiburger Nachrichten vom 12.07.2016:

Am Sonntag klassierte sich der Sensler Andreas Kempf bei der Leichtathletik-EM in Amsterdam im Halbmarathon im 80. Rang. Mit der Schweiz holte er Team-Gold.

Andreas Kempf, Sie haben beim EM-Rennen in 1:11:10 Stunden ihre persönliche Bestleistung um knapp sechs Minuten verpasst. Was sind die Gründe dafür?

Die Leistung ist nicht mal so enttäuschend, schon eher die Form. Ich habe mein Bestes gegeben, enttäuschend ist deshalb, was mein Bestes momentan ist. Der Kurs war sicherlich nicht ideal für eine neue Bestzeit, aber dass ich nicht unter 70 Minuten bleiben konnte, ist ernüchternd. Es gibt mehrere Faktoren, die als Erklärung hinhalten könnten. Vielleicht habe ich mich vom Höhentraining in St. Moritz nicht gut genug erholt; die Probleme mit einer Sehne im Fuss haben mich weiter zurückgeworfen, als ich wahrhaben wollte, oder aber die Saison wurde langsam zu lang. Ich musste bereits früh im Jahr gut in Form sein, um die Selektion zu packen. Dann habe ich es nicht geschafft, die Form wieder aufzubauen.

Trotzdem konnten Sie sich eine Goldmedaille in der Teamwertung umhängen lassen. Fühlen Sie sich denn auch als Europameister?

Meine Gefühle sind ambivalent. Mit meinem Rennen kann ich sicher nicht zufrieden sein, dennoch bin ich Mitglied dieses Teams und in diesem Sinne Europameister. Auch wenn ich im Rennen sportlich nichts zum Gold beigetragen habe, bin ich für die Stimmung und den Teamspirit mitverantwortlich. Zudem musste ich mich ja zuerst überhaupt für die EM qualifizieren. Ich vergleiche es mit einem Ersatzspieler einer Fussballmannschaft, die Europameister geworden ist. Es war cool, die Siegerehrung und die Feier miterleben zu dürfen. Wir kennen uns ja alle sehr gut, und es war schön, den Erfolg zu teilen, umso mehr, weil er so knapp und unerwartet war.

Sie nahmen in Amsterdam erstmals an einem solch grossen internationalen Wettkampf teil. Welche Erfahrungen nehmen Sie mit?

Das ganze Drumherum war grossartig, die Zeit mit dem Schweizer Team und die Stimmung an der Strasse mit den vielen Schweizer Fans. Das alles war sehr motivierend. Noch mehr Spass hätte es natürlich gemacht, wenn es mir persönlich besser gelaufen wäre. Amsterdam war eine gute Erfahrung, und ich weiss jetzt für ein mögliches nächstes Mal, was mich erwartet und wie ich damit umgehen muss. Ich hatte mich so darauf gefreut, dass ich nicht gut schlafen konnte und nervös war. Dadurch verlor ich auch Energie.

Hier die Links zur Rennzusammenfassung, zum Siegerinterview von Tadesse Abraham und zur Siegerehrung auf SRF.

An dieser Stelle nochmals ein riesen Kompliment an meine Teamkameraden, ihr seid unglaublich! Zudem einen herzlichen Dank für die Unterstützung an alle involvierten Personen von Swiss Athletics und meinem persönlichen Umfeld sowie an athletix.ch für die vielen gelungenen Fotos:


07.07.2016

Kempf will Selektion rechtfertigen

Am Sonntag betritt Andreas Kempf Neuland. Erstmals nimmt der Freiburger an einer Leichtathletik-EM teil. In Amsterdam will er seine Selektion für den Halbmarathon mit einer persönlichen Bestleistung rechtfertigen.

Am Sonntag, dem letzten Wettkampftag der Europameisterschaft in Amsterdam, gilt es für Andreas Kempf ernst. Der Heitenrieder startet um 9.30 Uhr zum Halbmarathon. «Das wird das Highlight meiner bisherigen Karriere», sagt Kempf, dessen bedeutendste Wettkämpfe bis anhin die Military World Games sowie die U23-Cross-EM gewesen waren. Verdient hatte sich der 27-Jährige den Start in den Niederlanden mit einer Zeit von 1:05:24 Stunden über die Halbmarathondistanz in Berlin. Kempf unterbot die EM-Limite damit um satte 21 Sekunden und knackte gleichzeitig den Freiburger Rekord aus dem Jahr 1992 von Marius Hasler (1:05:37).

Wenige Tage vor seinem Karrierehöhepunkt steigt die Spannung beim Freiburger. «Ich habe das Datum natürlich schon länger in meinem Kopf. Trotzdem versuche ich die Anspannung herauszuzögern. Sie zu früh aufzubauen wäre kontraproduktiv.» Während eine Vielzahl der Schweizer Athleten bereits im Amsterdam ist, fliegt Kempf erst morgen Donnerstag. «Zwei volle Tage vor dem Start reichen, um die Strecke zu besichtigen und sich zurechtzufinden. Auch hier gilt, dass eine zu frühe Anreise nicht förderlich für die Leistung wäre.»

Als Vorbereitung auf die EM in Amsterdam weilte Kempf während vier Wochen in St. Moritz im Höhentraining. Die beiden ersten Wochen liefen gut für ihn, dann machte dem Freiburger eine Sehnenentzündung am rechten Fuss sowie das allgemeine körperliche Befinden zu schaffen. «Ich fühlte mich müde, die Herzfrequenz war ungewöhnlich hoch, und der Laufschritt passte irgendwie nicht mehr», erklärt Kempf. Dazu passte der für ihn enttäuschende 5. Rang an der Schweizer Meisterschaft über die 10 000 Meter Mitte Juni in Thun. In den letzten Tagen ging es für Kempf jedoch wieder bergauf. «Glücklicherweise konnte ich täglich zum Physiotherapeuten und so die Verletzung in den Griff kriegen. Ich bin mittlerweile schmerzfrei und kann alles machen.» In den letzten Tagen vor der EM zerreisse er allerdings keine allzu grossen Stricke mehr. «Ich setzte noch den einen oder anderen guten Trainingsreiz, aber im Vordergrund steht ganz klar die Erholung.»

Kempfs EM-Zielsetzung ist realistisch. Er will Erfahrungen für mögliche weitere Grossanlässe sammeln, «und meine Selektion rechtfertigen. Das heisst eine Zeit im Bereich von jener von Berlin laufen.» Denn mit der internationalen Spitze kann der Freiburger nicht Schritt halten. «Die Spitze ist fünf Minuten schneller als ich. Auf diesem Level ist das ein grosser Unterschied.»

Bahn oder Langdistanz?
Jeder der sechs startenden Schweizer Läufer im Halbmarathon wird das für sich Beste herausholen. Dennoch sind sie auch als Team am Start. In die Team-Wertung fliessen die drei besten Zeiten ein. «Für uns alle wird es wichtig sein, nicht zu euphorisch ins Rennen zu gehen. Ziel muss es sein, die Nerven im Griff zu haben und gegen hinten heraus eigentlich bessere Läufer noch hinter sich zu lassen.» Nicht abgesprochen sei bis jetzt, ob sich eventuell ein Athlet für Tadesse Abraham, den nominell besten Schweizer im Feld, «opfern» wird und als Tempomacher wirkt.

Nach der Europameisterschaft gilt es für Kempf, wegweisende Entscheidungen zu treffen. «Die Woche danach bestreite ich noch die Schweizer Meisterschaft über die 5000 Meter, anschliessend gibt es einige Tage Pause. Dann schaue ich, wohin es für mich geht. Bleibe ich weiter auf der Bahn oder geht es eher in Richtung Marathon? Diese Frage kann ich heute noch nicht beantworten.»

Quelle Text: Freiburger Nachrichten vom 06.07.2016

Quelle Interview: La Libérté vom 07.07.2016


03.07.2016

2 Wochen top, 2 Wochen flop

In genau einer Woche werde ich in Amsterdam am Start des EM-Halbmarathons stehen. Die Vorfreude ist riesig, und langsam aber sicher beginnt es in mir ein bisschen zu kribbeln. Das letzte richtig intensive Abschlusstraining gestern stimmt mich zuversichtlich, nachdem es in der Vorbereitung nicht immer rund lief.

In den ersten zwei Trainingslagerwochen in St. Moritz konnte ich noch alle Trainings planmässig und mit einem guten Gefühl abspulen. Danach war ein bisschen der Wurm drin. Zuerst hinderten mich Schmerzen an der Sehne des tribialis posterior am rechten Fuss einige Tage am Lauftraining, anschliessend war das allgemeine körperliche Befinden in der letzten Woche in der Höhe schlecht. Ich fühlte mich müde, die Herzfrequenz war ungewöhnlich hoch und der Laufschritt passte irgendwie nicht mehr. Hatte ich es mit dem Training nach dem 5000-Meter-Rennen in Karlsruhe in den ersten beiden Wochen in St. Moritz übertrieben? Waren die intensiven Alternativtrainings im Wasser und auf dem Fahrrad in der dritten Woche zu viel des Guten? Oder unterschätze ich immer noch die Wirkung der Höhe auf meinen Körper? Mit diesen und anderen Fragen im Kopf stand ich dann in Thun am Start der 10‘000-Meter-Schweizermeisterschaften. Marcel Berni, Adrian Lehmann und ich reisten direkt von St. Moritz dorthin, um über die 25 Runden auf der 400-Meter-Bahn einen letzten wettkampfmässigen Test vor den Europameisterschaften zu absolvieren. Mit meinen Zweifeln und dem ermüdeten Körper kam ich nicht auf Touren und beendete das Rennen in 31:16 auf dem 6. Rang (5. Schweizer).

Ernüchtert aber nicht resigniert stieg ich dann in die letzten drei (Trainings-)Wochen vor Amsterdam. Denn ich wusste, früher oder später wird das gute Körpergefühl zurückkehren. Auch nach Kenia benötigte ich die zwei Wochen bis zum Halbmarathon in Barcelona, um mich von der Trainingsbelastung in der Höhe zu erholen und mich wieder vollständig fit zu fühlen. Nun hatte ich sogar noch eine Woche mehr Zeit, um wieder zu alter Stärke zu finden. Und das Timing könnte ziemlich gut passen, denn in den letzten Tagen ging es wirklich bergauf.

Am kommenden Donnerstag werde ich zusammen mit den anderen Schweizer Halbmarathonläufern/innen nach Amsterdam fliegen und mich vor Ort auf den Sonntagmorgen vorbereiten. Der Startschuss für uns Männer fällt um 9:50 Uhr, währenddessen die Frauen bereits 20 Minuten früher auf die Strecke geschickt werden. Ich kann euch nur empfehlen, spätestens um diese Zeit SRF2 einzuschalten (oder live vor Ort zu sein) und das Rennen mitzuverfolgen. Hopp Schwiiz!

PS: Unten findet ihr einige Eindrücke von der 10‘000-Meter-SM (by athletix.ch) und aus dem Trainingslager in St. Moritz. Wie man sieht, wurden wir im Hotel Waldhaus am See nicht nur kulinarisch verwöhnt, sondern im Speisesaal auch mit einer tollen Aussicht auf den St. Moritzer See belohnt. Zudem gönnten wir uns einen Abstecher nach Zürich ans Coldplay-Konzert, weil ein wenig Abwechslung vom Trainingslageralltag nicht schaden kann.