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21.07.2018

Bern – Berninapass – Berlin

Die letzten vier Wochen bereitete ich mich gemeinsam mit dem Schweizer Marathon-Team (ausser Tadesse Abraham, der in Äthiopien weilt) im Engadin auf die Europameisterschaften in Berlin vor. Ich konnte wie gewünscht trainieren und freue mich sehr auf den EM-Marathon.

Gestern am Ägeriseelauf, an den ich direkt vom Berninapass als letzter Test anreiste, spürte ich jedoch noch die Müdigkeit vom Trainingslager. Zudem wurde mir ein (zu) schneller Start und Rang 2 beim Zwischensprint nach fünf Kilometer zum Verhängnis. Die verbleibenden neun Kilometer wurden so richtig hart, und ich musste mich hinter den drei EM-Marathonstartern Valentin Pfeil (AUT), Christian Kreienbühl und Christian Steinhammer (AUT) sowie dem Schweizer Meister über 10`000 Meter, Fabian Kuert, mit dem 5. Rang begnügen.

Der Fahrplan für die EM stimmt trotzdem. Es verbleiben nun noch drei Wochen für den Feinschliff und die Erholung, bevor es in Berlin richtig zur Sache gehen wird.

Hier eine kleine Zusammenfassung des Trainingslagers von A bis Z:

A wie Aegeriseelauf, als Abschluss des Trainingslagers.
B wie Bern – Berninapass – Berlin, die Stationen meiner EM-Vorbereitung.
C wie Chrigi, ob nun Kreienbühl oder Gmür gemeint war, sorgte immer mal wieder für lustige Verwirrungen.
D wie Dopingkontrolle, nach Kenia besuchte uns Antidoping Schweiz auch auf dem Berninapass. Es ist schön zu sehen, dass es zumindest die Schweiz ernst nimmt mit sauberem Sport.
E wie Essen, zusammen mit Schlafen und Trainieren die wichtigste Beschäftigung im Trainingslager.
F wie Flughafenrunden, den Flugplatz in Samedan kenne ich nun dank den vielen intensiven Belastungen dort mindestens so gut wie den Flugplatz Belp.
G wie Gruppe, beim Marathon ist man grundsätzlich als Einzelsportler unterwegs. Das Training macht jedoch viel mehr Spass und fällt einem leichter in einer guten Trainingsgruppe, wie wir sie im Engadin hatten.
H wie Hotel Ospizio Bernina, unsere Unterkunft auf dem Berninapass (2309 Meter über Meer). Die neuen, ausgesprochen zuvorkommenden, Besitzer machten uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich.
I wie Inn, ein Fluss, an welchem wir oft trainierten, und in welchem wir oft kneippten.
J wie Jogger, als was wir häufig von Wanderern bezeichnet wurden. Wir würden es bevorzugen, wenn diese Spaziergänger «Achtung, Läufer!» rufen würden. ;-)
K wie Kilometer, von denen ich rund 170 pro Woche zu Fuss absolvierte. Dazu kamen einige Autokilometer, um für Trainingseinheiten nach St. Moritz, Samedan oder ins Puschlav zu fahren. Glücklicherweise konnten wir jeweils das zweite Läufchen am Tag auf dem Berninapass, meistens um den wunderschönen Lago Bianco, absolvieren.
L wie Laufschuhe, das wichtigste Utensil eines Läufers. Auf dem Berninapass hatte ich acht Paare dabei.
M wie Marathon, 42,195 Kilometer.
N wie Nusstorte, mein Engadiner Lieblingsdessert.
O wie Ovaverva, was auf Deutsch «lebendiges Wasser» bedeutet und dem tollen Hallenbad in St. Moritz den Namen gibt. Zwei- bis dreimal in der Woche absolvierten wir dort eine regenerative Aquajogging-Session.
P wie Physiotherapie, einmal in der Woche konnten wir die Dienste von Nicole Gerwig in Anspruch nehmen. Neben meiner Physiotherapeutin in Bern, Susanne Berger, die Beste (mir bekannte) ihres Fachs.
Q wie Qualen, welche ab und zu in den harten Trainings sowie auf den letzten Kilometern beim Ägeriseelauf gross waren.
R wie #RoadtoBerlin, der momentan beliebteste Hashtag der europäischen Leichtathletikszene.
S wie Schlafen, zusammen mit Essen und Trainieren die wichtigste Beschäftigung im Trainingslager.
T wie Trainieren, zusammen mit Essen und Schlafen die wichtigste Beschäftigung im Trainingslager.
U wie Umfeld, seien es meine Trainingskollegen, meine Frau, meine Familie oder mein Trainer, alle waren mindestens einmal auf dem Berninapass.
V wie Verpflegung, welche im Training oft geübt wurde, da es im Rennen ein entscheidender Faktor sein kann.
W wie Wetter, welches in den vier Wochen im Engadin wunderbar mitspielte.
X wie (zum) X-ten Mal, dass ich mein Trainingslager im Sommer in der Höhe im Engadin verbrachte. Und ich bin immer wieder überwältigt von der wunderschönen Landschaft.
Y wie Yoga, einmal in der Woche nahmen wir an einer einstündigen Einheit teil, um zu entspannen und die Beweglichkeit zu fördern.
Z wie Ziel, der EM-Marathon in Berlin am 12. August, Start um 10:00 Uhr.


05.07.2018

Citius, altius, fortius

Vor rund einem Monat lehnte das Walliser Stimmvolk mit 54 Prozent eine kantonale Beteiligung von 100 Millionen Franken am Projekt Sion 2026 ab. Somit ist der Traum von Olympia in der Schweiz bereits wieder geplatzt, bevor überhaupt eine Kandidatur beim Internationalen Olympischen Komitee (IOK) eingereicht werden konnte.

Persönlich bedauere ich diesen Entscheid sehr. Es ist eine verpasste Chance für alle jungen (Winter-)Sportler, für die Tourismusbranche und für sinnvolle Investitionen in die Infrastruktur. Denn wir hätten der Welt zeigen können, dass ein solcher Event nachhaltig, kostengünstig und ohne Gigantismus durchgeführt werden kann. Denn das olympische Motto «citius, altius, fortius», häufig mit «schneller, höher, weiter» übersetzt, gilt schliesslich für die sportlichen Leistungen und nicht für das Ausmass der Spiele.

Was eine sportliche Veranstaltung auslösen kann, habe ich vor knapp drei Wochen hautnah miterleben dürfen. In Bern wurde das erste internationale Leichtathletik-Meeting seit 1989 (!) ausgetragen. Organisiert von sechs jungen Berner Leichtathleten wurde das Meeting mit dem treffenden Namen «Citius» zum vollen Erfolg. 2800 Zuschauer füllten das Leichtathletik-Stadion Wankdorf und konnten tolle Leistungen, unter anderen von Mujinga Kambundji und Alex Wilson, bejubeln. Über 3000 Meter war auch ich am Start. Mit 8:31 Minuten blieb ich zwar 18 Sekunden über meiner persönlichen Bestleistung, was ohne spezifische Bahntrainings dennoch eine zufriedenstelle Zeit war.

Eine Woche später ging ich es für mich mit meinen Trainingskollegen «altius», nämlich auf den 2309 Meter über Meer gelegen Berninapass, von wo aus ich auch diese Kolumne schreibe. Hier im Höhentrainingslager versuche ich mich optimal auf die Europameisterschaften in Berlin vorzubereiten, wo ich am 12. August den Marathon laufen werde. Dies bedingt, dass ich momentan im Training «fortius» laufe, das heisst pro Woche 145 bis 175 Kilometer. Das wunderschöne Engadin lädt nicht nur zum Trainieren, sondern auch zum Träumen ein: zum Beispiel vom Olympia-Marathon in Tokio 2020 oder in ferner Zukunft von Olympischen Winterspielen in der Schweiz.

Der Heitenrieder Läufer Andreas Kempf studiert Betriebsökonomie im Master an der Universität Bern. Der ehemalige Schweizer Meister über die 5000 m hat 2016 an der Leichtathletik-EM mit der Schweiz Team-Gold im Halbmarathon gewonnen und hält die Freiburger Rekorde über die Halbmarathon- sowie Marathondistanz. Als FN-Gastkolumnist schreibt er regelmässig über selbst gewählte Themen.

Dieser Text erschien am 05.07.2018 als Gastkolumne in den Freiburger Nachrichten.


21.05.2018

Voll auf die Zwölf

Nein, ich habe am Samstag am GP Bern keinen Schlag ins Gesicht bekommen. Aber das Pfingstwochenende stand ganz im Zeichen der Zahl Zwölf. Über die 10 Meilen am GP Bern klassierte ich mich mit einer Zeit von 52:08 Minuten als sechster Schweizer im 12. Rang. Mit meiner Leistung bin ich ziemlich zufrieden und freue mich nun auf die Vorbereitung für den Marathon an den Europameisterschaften in Berlin, welcher in 12 Wochen stattfindet.

Am Sonntag durfte sich dann die Mannschaft des BSC YB vom «zwölften Mann», den Fans, für den ersten Meistertitel im Schweizer Fussball seit 32 Jahren so richtig feiern lassen. Aus dem Fenster einer Wohnung in der Berner Altstadt beobachtete ich mit Freunden den Meisterumzug, bevor wir uns am späteren Nachmittag ins Stade de Suisse zur offiziellen Feier mit grossartigen Konzerten (u.a. mit Wurzel 5, Lo & Leduc und Züriwest) begaben. Einziger Wehrmutstropfen war am Abend die Niederlage der Eishockey-Nationalmannschaft im Final gegen Schweden an der WM in Dänemark. Voilà, zurück in der Berner Altstadt schmeckte das Fondue trotzdem! ;-)


06.05.2018

Vizeschweizermeister über 10`000 Meter

Das Ziel gestern in Delémont war, mit einer Zeit von unter 30 Minuten Schweizermeister über die 10`000 Meter zu werden. Leider konnte ich beide Vorgaben nicht erfüllen. In einer Zeit von 30:28,76 holte ich mir hinter Fabian Kuert die Silbermedaille. Ich wusste, dass «Fäbu» gut in Form ist, da wir die letzten Wochen einige Belastungstrainings gemeinsam absolvierten. Durch diese harten Trainings und den Block im Höhenzimmer fehlten mir auf den letzten drei der 25 Bahnrunden ein wenig die Energie in den Beinen und die mentale Frische. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass mir diese Phase in Zukunft noch zu Gute kommen wird.

Nun freue ich mich, nach meinem Sieg im letzten Jahr am Altstadt GP endlich einmal die 10 Meilen am GP Bern zu laufen. Dort werde ich mich unter anderem mit Kenenisa Bekele, Tadesse Abraham, Fabian Kuert, Marcel Berni und Mekonen Tefera messen. Letzterer erledigte gestern seinen Pacemaker-Job mit einer Durchgangszeit von 15:02 bei 5 Kilometern hervorragend. Nach dem Auftritt durch unsere schöne Hauptstadt werde ich es eine Woche ein bisschen ruhiger angehen, bevor die Marathon-Vorbereitung für die Europameisterschaften in Berlin endgültig starten wird.

Quelle Foto: athle.ch


01.05.2018

Selektioniert für den EM-Marathon

Die Selektionskommission von Swiss Athletics hat heute die Marathon-Läufer/innen bestimmt, welche am 12. August an den Europameisterschaften in Berlin für die Schweiz im Einsatz stehen werden. Dank meiner Zeit von 2:19:22 vom Berlin-Marathon letzten Herbst, mit der ich die EM-Limite um acht Sekunden unterboten hatte, habe ich es ins Team geschafft. Ich freue mich riesig nach dem Halbmarathon an der EM 2016 in Amsterdam, die Schweiz ein zweites Mal an kontinentalen Titelkämpfen der Leichtathletik vertreten zu dürfen. Nach den Schweizer Meisterschaften über 10`000-Meter und dem 10`000-Meter-Europacup oder dem GP Bern wird also nun meine zweite Marathonvorbereitung beginnen.