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06.05.2018

Vizeschweizermeister über 10`000 Meter

Das Ziel gestern in Delémont war, mit einer Zeit von unter 30 Minuten Schweizermeister über die 10`000 Meter zu werden. Leider konnte ich beide Vorgaben nicht erfüllen. In einer Zeit von 30:28,76 holte ich mir hinter Fabian Kuert die Silbermedaille. Ich wusste, dass «Fäbu» gut in Form ist, da wir die letzten Wochen einige Belastungstrainings gemeinsam absolvierten. Durch diese harten Trainings und den Block im Höhenzimmer fehlten mir auf den letzten drei der 25 Bahnrunden ein wenig die Energie in den Beinen und die mentale Frische. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass mir diese Phase in Zukunft noch zu Gute kommen wird.

Nun freue ich mich, nach meinem Sieg im letzten Jahr am Altstadt GP endlich einmal die 10 Meilen am GP Bern zu laufen. Dort werde ich mich unter anderem mit Kenenisa Bekele, Tadesse Abraham, Fabian Kuert, Marcel Berni und Mekonen Tefera messen. Letzterer erledigte gestern seinen Pacemaker-Job mit einer Durchgangszeit von 15:02 bei 5 Kilometern hervorragend. Nach dem Auftritt durch unsere schöne Hauptstadt werde ich es eine Woche ein bisschen ruhiger angehen, bevor die Marathon-Vorbereitung für die Europameisterschaften in Berlin endgültig starten wird.

Quelle Foto: athle.ch


01.05.2018

Selektioniert für den EM-Marathon

Die Selektionskommission von Swiss Athletics hat heute die Marathon-Läufer/innen bestimmt, welche am 12. August an den Europameisterschaften in Berlin für die Schweiz im Einsatz stehen werden. Dank meiner Zeit von 2:19:22 vom Berlin-Marathon letzten Herbst, mit der ich die EM-Limite um acht Sekunden unterboten hatte, habe ich es ins Team geschafft. Ich freue mich riesig nach dem Halbmarathon an der EM 2016 in Amsterdam, die Schweiz ein zweites Mal an kontinentalen Titelkämpfen der Leichtathletik vertreten zu dürfen. Nach den Schweizer Meisterschaften über 10`000-Meter und dem 10`000-Meter-Europacup oder dem GP Bern wird also nun meine zweite Marathonvorbereitung beginnen.


16.04.2018

Ausser Spesen nichts gewesen

Mit hohen Zielen bin ich nach Pacé in die Bretagne an die Französischen Meisterschaften im 10`000-Meter-Lauf gereist. In einem für mich ziemlich idealen Feld versuchte ich die Limite (29:32) für den 10`000-Meter-Europacup Mitte Mai in London zu laufen. Leider fühlte ich mich vom Höhenzimmer, in welchem ich seit gut zwei Wochen zu Hause übernachte, ein bisschen schlapp. Zudem streikte mein Magen von Beginn weg, was mich schon früh zur Aufgabe des Rennens zwang. Normalerweise beende ich einen Wettkampf, auch wenn es nicht wunschgemäss läuft. Aber vorgestern war es aus gesundheitlicher Sicht einfach vernünftiger vorzeitig auszusteigen.

Wenigstens war meine Verlobte nach Frankreich mitgereist. Somit konnte ich die Enttäuschung relativ schnell vergessen, und das verlängerte Wochenende mit ihr noch ein bisschen geniessen. Bis zu meinem nächsten Ziel in knapp drei Wochen, den Schweizer Meisterschaften über 10`000-Meter, werde ich nun noch im Höhenzimmer verbleiben. Mit hoffentlich frischen Beinen und viel Hämoglobin im Blut möchte ich dort ein Wörtchen um den Sieg mitreden. Zudem bleibt es nach wie vor spannend, wen Swiss Athletics Ende April für das Marathon-Team an den Europameisterschaften in Berlin selektionieren wird...


10.04.2018

Kempf verpasst angestrebten Rekord

Bei frühlingshaften Temperaturen absolvierten am vergangenen Samstag 448 Läuferinnen und Läufer den 38. Heitenriederlauf. Sieger wurde Andreas Kempf, der aber den Streckenrekord nicht zu knacken vermochte.

Die Strecke des 10,2 Kilometer langen Heitenriederlaufes führt über Wiesen, durch Wälder und mehrere Hügel hinauf. Ganz so schnelle Zeiten wie bei flachen Strassenläufen lassen sich in Heitenried also nicht erreichen. Der Streckenrekord liegt bei 32:29 Minuten, aufgestellt 2015 von Nesero Kadi. Diesen bei der diesjährigen Ausgabe nach Hause zu holen, das war die «Mission» von Andreas Kempf, wie es der Heitenrieder Läufer im Vorfeld formuliert hatte.

Doch Kempf (TSV Düdingen) verpasste am Samstag sein Ziel. «Ich bin klar vom Rekord entfernt, aber nicht meilenweit», kommentierte der 30-Jährige seine Zeit von 33:10 Minuten nach dem Lauf.

Kempf hatte das Rennen von Beginn weg dominiert: Bereits nach der ersten Runde um den Magdalenawald betrug die Distanz zwischen ihm und dem Zweiten, Jonathan Schmid, gegen 200 Meter. «Es war nicht einfach, alles alleine zu laufen», so Kempf. «Aber ich wusste, dass ich von Anfang an aufs Tempo drücken muss, um den Rekord zu knacken.» Die Strecke sei schwierig einzuschätzen: «Nach der ersten Hälfte war ich noch schneller, als es für den Rekord nötig gewesen wäre, aber die Hügel kommen erst in der zweiten Hälfte.» Nach dem letzten Anstieg habe er schliesslich realisiert, dass ihm 30 bis 40 Sekunden fehlen würden.

Sein Training sei nicht auf den Heitenriederlauf ausgerichtet gewesen, erklärte Andreas Kempf: Nächste Woche beginnt für ihn die Bahnsaison, und am 5. Mai läuft er die Schweizermeisterschaft über 10 000 Meter auf der Bahn in Delsberg.

Die OK-Präsidentin des Laufs, Marie-Madeleine Aebischer, hätte sich gefreut, wenn der Streckenrekord an einen Heitenrieder gegangen wäre. «Wir hätten es Andreas sehr gegönnt», sagte sie, um augenzwinkernd hinzuzufügen: «Der Vorteil ist, dass er so sicher wieder am Heitenriederlauf teilnehmen wird.»

Dieser Artikel erschien am 10.04.2018 in den Freiburger Nachrichten.

Quelle Fotos: Daniel Werthmüller


05.04.2018

Mission in Heitenried

Meine ersten acht Lebensjahre verbrachte ich im Kanton Bern. Im Sommer 1997 entschieden dann meine Eltern, ein Eigenheim in Heitenried zu kaufen. Wir Kinder, zu Beginn mässig begeistert von diesem Umzug, freundeten uns schnell mit dem neuen Wohnort an und begannen, uns diesen komischen «Seisler Dialekt» anzueignen. Einzig die Liebe zum SC Bern konnte ich, vielleicht als Kind zum Trotz, nicht ganz ablegen.

Die schulische Laufbahn führte mich von der majestätischen Primarschule im Schloss in Heitenried über die Orientierungsschule Tafers im Bezirkshauptort weiter ans Kollegium St. Michael und an die Universität in Freiburg. Heitenried blieb in dieser Zeit allerdings immer mein Zuhause. Dieses beschauliche Dorf, wo das oben erwähnte Schloss sogar die Kirche überragt. Diese Oase auf dem Hügel, die so häufig knapp über der Nebel- und Schneefallgrenze liegt. Dieser Ort der Ruhe, in dem bei verschiedensten Vereinsanlässen manchmal doch die Post abgeht. Dieser schöne Fleck mit gepflegten Wiesen, den kleinen Weilern und dem bezaubernden Magdalenawald (auch Schlosswald genannt), wo ich am liebsten meine Laufrunden drehe. Diese unabhängige Gemeinde, die sich geografisch durch den Sensegraben, wie auch ein wenig soziologisch, vom grossen Nachbarn Bern abgrenzt. Dennoch sind bernische Zuzüger gern gesehen.

Aus beruflichen und sportlichen Gründen schlug ich hingegen wieder den umgekehrten Weg ein. Zuerst wurde ich Heitenried fünf Jahre lang als Wochenaufenthalter in der Läufer-WG im Liebefeld untreu. Nun wende ich mit dem Zusammenzug und der Heirat meiner wundervollen Verlobten in Wabern respektive Köniz meiner freiburgischen Heimat vorläufig den Rücken zu.

Am 7. April werde ich jedoch mit einer klaren Mission zurückkehren: den Streckenrekord am Heitenriederlauf knacken! 2013 schnappte mir der gebürtige Äthiopier Fikru Guta den Rekord vor der Nase weg; 2014 weilte ich an diesem Datum im Trainingslager in Kroatien, währenddem mit Nesero Kadi ein weiterer Äthiopier in 32:29,5 Minuten eine neue Bestzeit für die 10,2  Kilometer lange Strecke aufstellte; 2015 verpasste ich den Rekord hauchdünn (32:33,8); 2016 lief ich gleichentags in Berlin den Freiburger Rekord im Halbmarathon – und 2017 musste ich, mich eigentlich in toller Verfassung befindend, krankheitshalber auf einen Start verzichten.

In diesem Jahr soll es nun endlich klappen!

Der Heitenrieder Läufer Andreas Kempf studiert Betriebsökonomie im Master an der Universität Bern. Der ehemalige Schweizer Meister über die 5000 m hat 2016 an der Leichtathletik-EM mit der Schweiz Team-Gold im Halbmarathon gewonnen und hält die Freiburger Rekorde über die Halbmarathon- sowie Marathondistanz. Als FN-Gastkolumnist schreibt er regelmässig über selbst gewählte Themen.

Dieser Text erschien am 05.04.2018 als Gastkolumne in den Freiburger Nachrichten.