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30.08.2018

Interview mit running.COACH

Einen Marathon zu laufen ist etwas Spezielles. Und erst recht, wenn es die 42.195 Kilometer an den Europameisterschaften in Berlin sind. Andreas Kempf war als einer der Schweizer Athleten dabei und platzierte sich auf dem 42. Schlussrang mit einer Zeit von 2h21’35’’ bei seinem zweiten Marathon überhaupt. running.COACH hat mit Andreas Kempf, welchen wir schon seit längerer Zeit begleiten, über seine EM-Erfahrungen in Berlin sowie seine Zukunftspläne gesprochen.

Beschreibe deinen EM Marathon mit drei Worten.
rennen – schwitzen – leiden

Wie hast dich auf die heissen Temperaturen in Berlin vorbereitet? Normalerweise finden Marathons morgens im Frühling oder im Herbst bei angenehmen Lauftemperaturen zwischen 5 und 15 Grad Celsius statt.
Genau, die Marathons bei internationalen Meisterschaften finden für Marathonläufer unüblicherweise im Hochsommer statt. Dies bedingte gewisse Anpassungen in der Vorbereitung, damit der Körper an die Hitze gewöhnt war. So reisten wir vom Engadin ab und zu nach Italien, um in der Wärme zu trainieren. Oder gewisse Trainings wurden bewusst an der Mittagssonne absolviert. Zudem versuchte ich den Körper unmittelbar vor und während dem Rennen bestmöglich runterzukühlen. Das geschah mit aufklebbaren Kühl-Pads von EMCOOLS beim Einlaufen sowie während dem Rennen mit Liquid Ice. Diese kühlende Flüssigkeit, die man einfach über das Dress schütten kann, klebte alle fünf Kilometer an meiner persönlichen Verpflegungs-Flasche.

Bist du zufrieden mit deiner Leistung?
Ja, ich bin sehr zufrieden. Von den Meldezeiten her lag ich auf Rang 63 und konnte nun als 42. ins Ziel laufen. Auch von der Zeit her zeigte ich ein gutes Rennen. Bei diesen heissen und zum Teil windigen Bedingungen verlor ich nur gut zwei Minuten auf meine persönliche Bestzeit. Zudem lieferte ich als dritter Schweizer ein Zählresultat für die Mannschaftswertung. Leider schrammten wir dort als viertplatziertes Team knapp an einer Medaille vorbei. Dies ist der einzige Wermutstropfen von diesem EM-Marathon.

Was war dein persönliches Highlight?
Einerseits die unglaublich tolle Stimmung am Streckenrand, für welche auch unzählige Schweizer Fans verantwortlich waren. Andererseits meine mentale Fähigkeit, die letzten zwei Kilometer nochmals schneller zu laufen. Und nicht zu vergessen der grandiose Zusammenhalt und die Unterstützung innerhalb des Schweizer Teams. Sorry, das waren jetzt schon drei persönliche Highlights!

Was nimmst du mit für deine Zukunft als Läufer?
Ich nehme eine grosse Portion Motivation mit von diesen Leichtathletik-Europameisterschaften allgemein, die ja für uns Schweizer extrem erfolgreich verliefen, und vom Marathon im Speziellen. Da es erst mein zweiter Wettkampf über diese Distanz war, konnte ich viele wertvolle Erfahrungen in der Vorbereitung, aber auch während dem Rennen für zukünftige Marathons sammeln. Ich bin eigentlich nach wie vor ein Marathon-Anfänger und habe das Gefühl, dass ich noch viel Potenzial besitze. Umso wertvoller war es für mich, in der Marathon-Vorbereitung im Engadin vier Wochen lang mit den anderen Schweizer Marathonläufern (ausser Tadesse Abraham, der bereitete sich in Äthiopien vor) zusammen trainieren zu können und von ihnen zu lernen.

Und jetzt, hast du den Post-Marathon-Blues?
Erstaunlicherweise nicht gross, obwohl ich noch nie so gelitten habe am Ende eines Rennens. Bereits zehn Tage nach dem Marathon habe ich das erste Mal wieder die Laufschuhe geschnürt für ein lockeres Footing. Meiner Erfahrung nach kommt meistens die Lust für das Training und der Drang, sich neue Ziele zu setzen nach erfolgreichen Wettkämpfen schneller wieder, als wenn man unzufrieden ist mit der Leistung. Bevor ich jedoch nun wieder beginne strikt nach Trainingsplan zu trainieren, werde ich mit meiner Frau noch eine Woche Ferien geniessen.

Wie motivierst du dich für neue Ziele? Was steht bei dir an?
Indem ich neue Ziele setze! Ich kann meine Marathon-Bestzeit (2:19:22) bestimmt noch um einige Minuten verbessern. Wie viele es sein werden, wird die Zukunft zeigen. Der Traum wäre natürlich eine Teilnahme an den Olympischen Spielen. In naher Zukunft werde ich jedoch versuchen, mich mit dem Halbmarathon am Greifenseelauf und dem legendären Murtenlauf wieder in Form zu bringen. Danach werde ich entweder die Cross-EM Qualifikation ins Visier nehmen oder einige Stadtläufe absolvieren. Der nächste Marathon steht dann erst im Frühling auf dem Programm.

Der Text stammt aus einem Interview mit running.COACH

Copyright Photo by athletix.ch


13.08.2018

«Cette fois-ci je n’aurais pas pu faire mieux»

Troisième Suisse derrière Tadesse Abraham (2e) et Christian Kreienbühl (27e), Andreas Kempf a pris la 42e place du marathon des championnats d’Europe. L’athlète du TSV Guin a bouclé les quatre tours du parcours berlinois en 2h21’35’’, un chrono modeste pour celui qui espérait battre son record personnel (2h19’22’’). Loin d’être malheureux, au contraire, c’est depuis les tribunes du stade olympique de Berlin, transformé en supporter d’un soir, que le Singinois de 30 ans a pris le temps, hier, de répondre à nos questions.

Quel regard portez-vous sur votre course?
De manière générale, je suis satisfait. Je n’ai perdu que deux minutes sur mon record personnel.

Record que vous pensiez pouvoir battre de deux minutes…
Oui, mais il a fait chaud. En fin de course, je pense que le mercure avoisinait les 25 degrés, alors que la température idéale pour un marathon oscille entre 5 et 10 degrés. Tous les 5 km, en plus du ravitaillement, j’aspergeais mon maillot d’eau glacée. Si l’on jette un œil sur les résultats, ils sont peu à avoir battu leur record personnel, c’est dire si les conditions étaient difficiles. J’ai d’autant plus souffert que j’ai couru les dix derniers kilomètres plus ou moins seul.

La Suisse finit 4e du classement par équipes. Une déception?
C’est toujours décevant de terminer au pied du podium. Mais sur la liste de départs, si l’on cumule les trois meilleurs temps de chaque nation engagée, nous n’étions que 8es ou 9es. Nous finissons par exemple 30 secondes devant la Pologne, qui nous était pourtant largement supérieure sur le papier.

Après les européens de semi-marathon à Amsterdam en 2016, ce n’était que votre deuxième participation à un grand championnat. La pression a-t-elle été difficile à gérer?
La pression était présente, mais c’est moi-même qui me la suis mise. Je ne voulais pas revivre ce que j’avais vécu à Amsterdam, où j’avais été vraiment déçu (Andreas Kempf avait été sacré champion d’Europe par équipes sans que son temps ne soit comptabilisé, ndlr). Je n’avais pas montré de quoi j’étais capable. Cette fois-ci, franchement, je n’aurais pas pu faire mieux. J’ai tout donné.

Ce n’était que votre deuxième marathon. Est-ce la distance que vous allez privilégier à l’avenir?
Je dois encore en parler avec mon entraîneur. A tête reposée. Mais si je veux me qualifier pour les Jeux olympiques de Tokyo en 2020, je ne vois guère que le marathon comme possibilité. Les critères de sélection ne sont pas encore connus. Pour Rio 2016, les minimas étaient de 2 h 14. Je dois encore gagner 5’22, ce qui est beaucoup. Mais si je trouve de bonnes conditions de course, ce n’est pas irréaliste.

L’article: La Liberté du 13.08.2018

«Ich habe extrem gelitten»
«Die letzten fünf bis zehn Kilometer sind bei einem Marathon immer hart, dieses Mal habe ich am Schluss aber extrem gelitten», sagte Andreas Kempf gestern nach seiner EM-Premiere über die 42,195 Kilometer. Der Heitenrieder, der sich als erster Freiburger für einen EM-Marathon qualifiziert hatte, lief in 2:21:35 Stunden als 42. ins Ziel ein und fiel erschöpft zu Boden. Als drittbester Schweizer schaffte er es zusammen mit Tadesse Abraham und Christian Kreienbühl für die Schweiz in die Teamwertung. In dieser belegte die Schweiz den vierten Schlussrang.

«Deutliche Steigerung»
In die Top 50 laufen und eine der drei schnellsten Zeiten für die Teamwertung beisteuern – das waren die Ziele, mit denen der 30-Jährige nach Berlin gereist ist. Beides hat Kempf erreicht, und entsprechend hätte er allen Grund, stolz und zufrieden mit sich zu sein. Dennoch war seine Freude etwas getrübt. «Ich habe zwei Minuten auf meine persönliche Bestzeit verloren, aber angesichts der schwierigen äusseren Bedingungen geht das in Ordnung. Mit Rang 42 bin ich zufrieden, wenn man sieht, wie viele Athleten unterwegs aufgegeben haben. Ein kleiner Wermutstropfen ist allerdings, dass wir im Team den Sprung aufs Podest verpasst haben.»

Vor zwei Jahren hatte Andreas Kempf an der Halbmarathon-EM mit dem Team Gold gewonnen, seine Zeit kam allerdings nicht in die Wertung. «Ich hätte sofort in Kauf genommen, dass meine Zeit wiederum nicht gezählt hätte, wenn wir dafür eine Medaille gewonnen hätten. Dennoch bin ich glücklich. Gegenüber der Halbmarathon-EM in Amsterdam, wo ich ein relativ bescheidenes Rennen gelaufen bin, ist mir eine deutliche Steigerung gelungen. Ich konnte meine Leistung diesmal auch am Tag X erbringen.»

Text: Freiburger Nachrichten vom 13.08.2018

Für weitere Impressionen von den Europameisterschaften einfach das untere Bild öffnen und nach rechts klicken. Die Fotos stammen von Ulf Schiller, Dan Mitchell, Christoph Seiler und privaten Quellen.


09.08.2018

42,195 Kilometer zum Ruhm

Als erster Freiburger überhaupt wird Andreas Kempf am Sonntag an einer Europameisterschaft einen Marathon laufen. Mit Carboloading, einem Höhenzimmer und viel Monotonie hat sich der Heitenrieder auf seine Premiere vorbereitet. Einen Freiburger Leichtathleten, der an einer Europameisterschaft einen Marathon läuft, das hat es bisher noch nicht gegeben. Andreas Kempf wird am Sonntag in Berlin der erste sein, der bei internationalen Meisterschaften über die 42,195 Kilometer an den Start geht.

Es wird erst sein zweiter Marathonlauf überhaupt sein. Bei seinem Marathon-Debüt (!) hatte der Heitenrieder in 2:19:22 Stunden die EM-Limite um acht Sekunden unterboten. Im April wurde der 30-Jährige zusammen mit fünf weiteren Marathonläufern schliesslich von Swiss Athletics selektioniert. An der EM in Berlin wird im Marathon erstmals offiziell eine Team-Wertung durchgeführt. Sechs Läufer dürfen pro Nation starten, die drei besten Zeiten zählen fürs Klassement. «Ich musste etwas um meine Selektion zittern, weil kurz vor Ende der Qualifikationsphase noch einige Athleten versucht haben, die Limite zu schaffen», erinnert sich Kempf. «Ende ­April hatten sieben Läufer die Selektionskriterien erfüllt. Meine Zeit war die sechstschnellste.»

Eine Frage des Alters
Andreas Kempf hat sich in der Vergangenheit vor allem als achtfacher Medaillengewinner an Schweizer Meisterschaften im Cross sowie über 3000 m Indoor und 5000 m einen Namen gemacht. Später kamen die 10 000 m dazu, dann der Halbmarathon, in dem er 2016 mit der Schweiz Team-Europameister wurde. Seine Liebe zum Marathon hat der Masterstudent in BWL erst letztes Jahr entdeckt – mehr oder weniger zufällig.

Weil im August 2017 die Leichtathletik-WM in London stattfand, ging die Bahnsaison relativ früh zu Ende. Nach der WM fanden keine Meetings oder Rennen mehr statt, die dem Niveau von Mittelstreckenläufer Kempf entsprochen hätten. Also suchte er sich eine andere Herausforderung – und fand sie beim Marathon. Sein ehrgeiziges Ziel: die Limite für die EM schaffen, was ihm denn auch gelang. «Auf der Strasse ist es allgemein einfacher, die Limite zu erfüllen als auf der Bahn, weil an den Titelkämpfen bei den Strassenrennen viel grössere Starterfelder zugelassen werden», erklärt Kempf seinen Wechsel zum Marathon. «Hinzu kommt, dass auch ich nicht jünger werde. Im Alter wird man nicht schneller, dafür kann man besser die Ausdauer trainieren. Es ist eine allgemeine Tendenz, dass Läufer mit fortschreitendem Alter auf längere Distanzen wechseln.»

Der 30-Jährige kann sich durchaus vorstellen, künftig ganz auf den Marathon zu setzen. «Ob und wie es weitergeht, werde ich im Herbst mit meinem Trainer aushandeln müssen», sagt Kempf. Er macht keinen Hehl daraus, dass es sein grosses Ziel ist, sich für die Olympischen Spiele 2020 in Tokio zu qualifizieren. «Warum nicht im Marathon? Von meiner Frau habe ich jedenfalls die Erlaubnis bekommen, bis 2020 weiterzumachen», fügt der seit wenigen Wochen verheiratete Heitenrieder mit einem herzhaften Lachen an.

170 Kilometer pro Woche
Vorerst gilt Kempfs Aufmerksamkeit aber voll und ganz den Europameisterschaften. Seit über zwei Monaten bereitet er sich intensiv darauf vor. Ende Juni begab sich der Sensler zusammen mit dem Schweizer Marathon-Team – ausser Tadesse Abraham, er machte seine EM-Vorbereitung in Äthiopien – auf den 2309 Meter über Meer gelegen Bernina­pass in ein vierwöchiges Höhentrainingslager. Jeweils zwei Trainingseinheiten standen pro Tag auf dem Programm, morgens häufig eine intensivere, nachmittags eine etwas lockerere. «Pro Woche habe ich rund 170 Kilometer zurückgelegt», sagt Kempf. «Es war ein gutes Camp, und ich konnte viel profitieren.»

Das Trainingslager im Engadin war einer von drei Höhenzyklen, die Kempf in seine Saisonplanung eingebaut hat. Den ersten absolvierte er bereits Anfang Jahr mit einem vierwöchigen Trainingslager in Kenia. Im April verbrachte Kempf dann einen Monat in einem sogenannten Höhenzimmer. In diesem wird durch technische Massnahmen in einem abgedichteten Raum eine künstliche Höhe von rund 2500 Metern über Meer simuliert, was die vermehrte Bildung von roten Blutkörperchen anregt. Dies wiederum führt zu einer verbesserten Ausdauerleistung. Bisher musste An­dreas Kempf jeweils nach Magg­lingen, wenn er in so einem Höhenzimmer wohnen wollte. Inzwischen hat er sich zu Hause sein eigenes Zimmer eingerichtet. Das Trainingscamp auf dem Berninapass bildete schliesslich den Abschluss von Kempfs Höhenzyklen.

Oft hat der Sensler auch beim Flughafen Belp seine Trainingsrunden gedreht, auf flachen Strassen neben den Flugpisten. «So habe ich versucht, die Monotonie zu simulieren, wie sie in Berlin beim Marathon durch die Stadt herrschen wird, damit ich mich daran gewöhnen kann.»

«Carboloading» für den Exploit
Heute Donnerstag fliegt Anderas Kempf mit dem Schweizer Team nach Berlin, wo am Sonntag in der Innenstadt um 10 Uhr der EM-Marathon gestartet wird. «In den letzten zwei Wochen vor dem Wettkampf ist es vor allem darum gegangen, gut zu schlafen», sagte der Heitenrieder vor seinem Abflug. «Diese Woche laufe ich nur noch rund 50 Kilometer vor dem Marathon. Da steht die Erholung in Vordergrund.» Nun gehe es noch darum, möglichst viel Kohlenhydrate zu sich zu nehmen und so die Energiespeicher zu füllen. «Carboloading» nennt sich das im Fachjargon.

Wie viel Energie Kempf bei seinem EM-Marathon-Debüt verbrauchen wird, hängt nicht zuletzt von den Temperaturen ab. «Wenn es beim Rennen heiss ist, muss man sich gut überlegen, welches Tempo man anschlagen will. Da ist es ganz wichtig, seinen ursprünglichen Fahrplan zu überdenken.» Kempfs Fahrplan sieht eine Zeit von 2:17 Stunden vor. «Bei sehr guten Bedingungen sollte das drinliegen. In erster Linie will ich im Ziel aber weiter vorne klassiert sein, als ich in der Startliste aufgeführt bin, die anhand der bisher gelaufenen Marathonzeiten der einzelnen Läufer erstellt wird.» Und natürlich möchte Andreas Kempf eine der drei Schweizer Zeiten laufen, die für die Team-Wertung zählen.

Dann bleibt nur noch die Frage, ob für die Schweiz eine Medaille im Bereich des Möglichen ist? «Aktuell liegen wir etwa auf Rang 10, wenn man die drei besten von uns gelaufenen Zeiten addiert. Vor zwei Jahren, als die Schweiz im Halbmarathon Gold gewonnen hat, war sie auch Aussenseiter. Warum sollte uns nicht erneut ein Coup gelingen?»

Artikel aus den Freiburger Nachrichten vom 08.09.2018


21.07.2018

Bern – Berninapass – Berlin

Die letzten vier Wochen bereitete ich mich gemeinsam mit dem Schweizer Marathon-Team (ausser Tadesse Abraham, der in Äthiopien weilt) im Engadin auf die Europameisterschaften in Berlin vor. Ich konnte wie gewünscht trainieren und freue mich sehr auf den EM-Marathon.

Gestern am Ägeriseelauf, an den ich direkt vom Berninapass als letzter Test anreiste, spürte ich jedoch noch die Müdigkeit vom Trainingslager. Zudem wurde mir ein (zu) schneller Start und Rang 2 beim Zwischensprint nach fünf Kilometer zum Verhängnis. Die verbleibenden neun Kilometer wurden so richtig hart, und ich musste mich hinter den drei EM-Marathonstartern Valentin Pfeil (AUT), Christian Kreienbühl und Christian Steinhammer (AUT) sowie dem Schweizer Meister über 10`000 Meter, Fabian Kuert, mit dem 5. Rang begnügen.

Der Fahrplan für die EM stimmt trotzdem. Es verbleiben nun noch drei Wochen für den Feinschliff und die Erholung, bevor es in Berlin richtig zur Sache gehen wird.

Hier eine kleine Zusammenfassung des Trainingslagers von A bis Z:

A wie Aegeriseelauf, als Abschluss des Trainingslagers.
B wie Bern – Berninapass – Berlin, die Stationen meiner EM-Vorbereitung.
C wie Chrigi, ob nun Kreienbühl oder Gmür gemeint war, sorgte immer mal wieder für lustige Verwirrungen.
D wie Dopingkontrolle, nach Kenia besuchte uns Antidoping Schweiz auch auf dem Berninapass. Es ist schön zu sehen, dass es zumindest die Schweiz ernst nimmt mit sauberem Sport.
E wie Essen, zusammen mit Schlafen und Trainieren die wichtigste Beschäftigung im Trainingslager.
F wie Flughafenrunden, den Flugplatz in Samedan kenne ich nun dank den vielen intensiven Belastungen dort mindestens so gut wie den Flugplatz Belp.
G wie Gruppe, beim Marathon ist man grundsätzlich als Einzelsportler unterwegs. Das Training macht jedoch viel mehr Spass und fällt einem leichter in einer guten Trainingsgruppe, wie wir sie im Engadin hatten.
H wie Hotel Ospizio Bernina, unsere Unterkunft auf dem Berninapass (2309 Meter über Meer). Die neuen, ausgesprochen zuvorkommenden, Besitzer machten uns den Aufenthalt so angenehm wie möglich.
I wie Inn, ein Fluss, an welchem wir oft trainierten, und in welchem wir oft kneippten.
J wie Jogger, als was wir häufig von Wanderern bezeichnet wurden. Wir würden es bevorzugen, wenn diese Spaziergänger «Achtung, Läufer!» rufen würden. ;-)
K wie Kilometer, von denen ich rund 170 pro Woche zu Fuss absolvierte. Dazu kamen einige Autokilometer, um für Trainingseinheiten nach St. Moritz, Samedan oder ins Puschlav zu fahren. Glücklicherweise konnten wir jeweils das zweite Läufchen am Tag auf dem Berninapass, meistens um den wunderschönen Lago Bianco, absolvieren.
L wie Laufschuhe, das wichtigste Utensil eines Läufers. Auf dem Berninapass hatte ich acht Paare dabei.
M wie Marathon, 42,195 Kilometer.
N wie Nusstorte, mein Engadiner Lieblingsdessert.
O wie Ovaverva, was auf Deutsch «lebendiges Wasser» bedeutet und dem tollen Hallenbad in St. Moritz den Namen gibt. Zwei- bis dreimal in der Woche absolvierten wir dort eine regenerative Aquajogging-Session.
P wie Physiotherapie, einmal in der Woche konnten wir die Dienste von Nicole Gerwig in Anspruch nehmen. Neben meiner Physiotherapeutin in Bern, Susanne Berger, die Beste (mir bekannte) ihres Fachs.
Q wie Qualen, welche ab und zu in den harten Trainings sowie auf den letzten Kilometern beim Ägeriseelauf gross waren.
R wie #RoadtoBerlin, der momentan beliebteste Hashtag der europäischen Leichtathletikszene.
S wie Schlafen, zusammen mit Essen und Trainieren die wichtigste Beschäftigung im Trainingslager.
T wie Trainieren, zusammen mit Essen und Schlafen die wichtigste Beschäftigung im Trainingslager.
U wie Umfeld, seien es meine Trainingskollegen, meine Frau, meine Familie oder mein Trainer, alle waren mindestens einmal auf dem Berninapass.
V wie Verpflegung, welche im Training oft geübt wurde, da es im Rennen ein entscheidender Faktor sein kann.
W wie Wetter, welches in den vier Wochen im Engadin wunderbar mitspielte.
X wie (zum) X-ten Mal, dass ich mein Trainingslager im Sommer in der Höhe im Engadin verbrachte. Und ich bin immer wieder überwältigt von der wunderschönen Landschaft.
Y wie Yoga, einmal in der Woche nahmen wir an einer einstündigen Einheit teil, um zu entspannen und die Beweglichkeit zu fördern.
Z wie Ziel, der EM-Marathon in Berlin am 12. August, Start um 10:00 Uhr.


05.07.2018

Citius, altius, fortius

Vor rund einem Monat lehnte das Walliser Stimmvolk mit 54 Prozent eine kantonale Beteiligung von 100 Millionen Franken am Projekt Sion 2026 ab. Somit ist der Traum von Olympia in der Schweiz bereits wieder geplatzt, bevor überhaupt eine Kandidatur beim Internationalen Olympischen Komitee (IOK) eingereicht werden konnte.

Persönlich bedauere ich diesen Entscheid sehr. Es ist eine verpasste Chance für alle jungen (Winter-)Sportler, für die Tourismusbranche und für sinnvolle Investitionen in die Infrastruktur. Denn wir hätten der Welt zeigen können, dass ein solcher Event nachhaltig, kostengünstig und ohne Gigantismus durchgeführt werden kann. Denn das olympische Motto «citius, altius, fortius», häufig mit «schneller, höher, weiter» übersetzt, gilt schliesslich für die sportlichen Leistungen und nicht für das Ausmass der Spiele.

Was eine sportliche Veranstaltung auslösen kann, habe ich vor knapp drei Wochen hautnah miterleben dürfen. In Bern wurde das erste internationale Leichtathletik-Meeting seit 1989 (!) ausgetragen. Organisiert von sechs jungen Berner Leichtathleten wurde das Meeting mit dem treffenden Namen «Citius» zum vollen Erfolg. 2800 Zuschauer füllten das Leichtathletik-Stadion Wankdorf und konnten tolle Leistungen, unter anderen von Mujinga Kambundji und Alex Wilson, bejubeln. Über 3000 Meter war auch ich am Start. Mit 8:31 Minuten blieb ich zwar 18 Sekunden über meiner persönlichen Bestleistung, was ohne spezifische Bahntrainings dennoch eine zufriedenstelle Zeit war.

Eine Woche später ging ich es für mich mit meinen Trainingskollegen «altius», nämlich auf den 2309 Meter über Meer gelegen Berninapass, von wo aus ich auch diese Kolumne schreibe. Hier im Höhentrainingslager versuche ich mich optimal auf die Europameisterschaften in Berlin vorzubereiten, wo ich am 12. August den Marathon laufen werde. Dies bedingt, dass ich momentan im Training «fortius» laufe, das heisst pro Woche 145 bis 175 Kilometer. Das wunderschöne Engadin lädt nicht nur zum Trainieren, sondern auch zum Träumen ein: zum Beispiel vom Olympia-Marathon in Tokio 2020 oder in ferner Zukunft von Olympischen Winterspielen in der Schweiz.

Der Heitenrieder Läufer Andreas Kempf studiert Betriebsökonomie im Master an der Universität Bern. Der ehemalige Schweizer Meister über die 5000 m hat 2016 an der Leichtathletik-EM mit der Schweiz Team-Gold im Halbmarathon gewonnen und hält die Freiburger Rekorde über die Halbmarathon- sowie Marathondistanz. Als FN-Gastkolumnist schreibt er regelmässig über selbst gewählte Themen.

Dieser Text erschien am 05.07.2018 als Gastkolumne in den Freiburger Nachrichten.