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10.04.2018

Kempf verpasst angestrebten Rekord

Bei frühlingshaften Temperaturen absolvierten am vergangenen Samstag 448 Läuferinnen und Läufer den 38. Heitenriederlauf. Sieger wurde Andreas Kempf, der aber den Streckenrekord nicht zu knacken vermochte.

Die Strecke des 10,2 Kilometer langen Heitenriederlaufes führt über Wiesen, durch Wälder und mehrere Hügel hinauf. Ganz so schnelle Zeiten wie bei flachen Strassenläufen lassen sich in Heitenried also nicht erreichen. Der Streckenrekord liegt bei 32:29 Minuten, aufgestellt 2015 von Nesero Kadi. Diesen bei der diesjährigen Ausgabe nach Hause zu holen, das war die «Mission» von Andreas Kempf, wie es der Heitenrieder Läufer im Vorfeld formuliert hatte.

Doch Kempf (TSV Düdingen) verpasste am Samstag sein Ziel. «Ich bin klar vom Rekord entfernt, aber nicht meilenweit», kommentierte der 30-Jährige seine Zeit von 33:10 Minuten nach dem Lauf.

Kempf hatte das Rennen von Beginn weg dominiert: Bereits nach der ersten Runde um den Magdalenawald betrug die Distanz zwischen ihm und dem Zweiten, Jonathan Schmid, gegen 200 Meter. «Es war nicht einfach, alles alleine zu laufen», so Kempf. «Aber ich wusste, dass ich von Anfang an aufs Tempo drücken muss, um den Rekord zu knacken.» Die Strecke sei schwierig einzuschätzen: «Nach der ersten Hälfte war ich noch schneller, als es für den Rekord nötig gewesen wäre, aber die Hügel kommen erst in der zweiten Hälfte.» Nach dem letzten Anstieg habe er schliesslich realisiert, dass ihm 30 bis 40 Sekunden fehlen würden.

Sein Training sei nicht auf den Heitenriederlauf ausgerichtet gewesen, erklärte Andreas Kempf: Nächste Woche beginnt für ihn die Bahnsaison, und am 5. Mai läuft er die Schweizermeisterschaft über 10 000 Meter auf der Bahn in Delsberg.

Die OK-Präsidentin des Laufs, Marie-Madeleine Aebischer, hätte sich gefreut, wenn der Streckenrekord an einen Heitenrieder gegangen wäre. «Wir hätten es Andreas sehr gegönnt», sagte sie, um augenzwinkernd hinzuzufügen: «Der Vorteil ist, dass er so sicher wieder am Heitenriederlauf teilnehmen wird.»

Dieser Artikel erschien am 10.04.2018 in den Freiburger Nachrichten.

Quelle Fotos: Daniel Werthmüller


05.04.2018

Mission in Heitenried

Meine ersten acht Lebensjahre verbrachte ich im Kanton Bern. Im Sommer 1997 entschieden dann meine Eltern, ein Eigenheim in Heitenried zu kaufen. Wir Kinder, zu Beginn mässig begeistert von diesem Umzug, freundeten uns schnell mit dem neuen Wohnort an und begannen, uns diesen komischen «Seisler Dialekt» anzueignen. Einzig die Liebe zum SC Bern konnte ich, vielleicht als Kind zum Trotz, nicht ganz ablegen.

Die schulische Laufbahn führte mich von der majestätischen Primarschule im Schloss in Heitenried über die Orientierungsschule Tafers im Bezirkshauptort weiter ans Kollegium St. Michael und an die Universität in Freiburg. Heitenried blieb in dieser Zeit allerdings immer mein Zuhause. Dieses beschauliche Dorf, wo das oben erwähnte Schloss sogar die Kirche überragt. Diese Oase auf dem Hügel, die so häufig knapp über der Nebel- und Schneefallgrenze liegt. Dieser Ort der Ruhe, in dem bei verschiedensten Vereinsanlässen manchmal doch die Post abgeht. Dieser schöne Fleck mit gepflegten Wiesen, den kleinen Weilern und dem bezaubernden Magdalenawald (auch Schlosswald genannt), wo ich am liebsten meine Laufrunden drehe. Diese unabhängige Gemeinde, die sich geografisch durch den Sensegraben, wie auch ein wenig soziologisch, vom grossen Nachbarn Bern abgrenzt. Dennoch sind bernische Zuzüger gern gesehen.

Aus beruflichen und sportlichen Gründen schlug ich hingegen wieder den umgekehrten Weg ein. Zuerst wurde ich Heitenried fünf Jahre lang als Wochenaufenthalter in der Läufer-WG im Liebefeld untreu. Nun wende ich mit dem Zusammenzug und der Heirat meiner wundervollen Verlobten in Wabern respektive Köniz meiner freiburgischen Heimat vorläufig den Rücken zu.

Am 7. April werde ich jedoch mit einer klaren Mission zurückkehren: den Streckenrekord am Heitenriederlauf knacken! 2013 schnappte mir der gebürtige Äthiopier Fikru Guta den Rekord vor der Nase weg; 2014 weilte ich an diesem Datum im Trainingslager in Kroatien, währenddem mit Nesero Kadi ein weiterer Äthiopier in 32:29,5 Minuten eine neue Bestzeit für die 10,2  Kilometer lange Strecke aufstellte; 2015 verpasste ich den Rekord hauchdünn (32:33,8); 2016 lief ich gleichentags in Berlin den Freiburger Rekord im Halbmarathon – und 2017 musste ich, mich eigentlich in toller Verfassung befindend, krankheitshalber auf einen Start verzichten.

In diesem Jahr soll es nun endlich klappen!

Der Heitenrieder Läufer Andreas Kempf studiert Betriebsökonomie im Master an der Universität Bern. Der ehemalige Schweizer Meister über die 5000 m hat 2016 an der Leichtathletik-EM mit der Schweiz Team-Gold im Halbmarathon gewonnen und hält die Freiburger Rekorde über die Halbmarathon- sowie Marathondistanz. Als FN-Gastkolumnist schreibt er regelmässig über selbst gewählte Themen.

Dieser Text erschien am 05.04.2018 als Gastkolumne in den Freiburger Nachrichten.


26.03.2018

Vom Winde verweht

Eigentlich wollte ich am Halbmarathon in Valencia/ESP meine persönliche Bestleistung (1:05:24) verbessern und besten Falls die Nationalkader-Limite von Swiss Athletics (1:04:45) unterbieten. Die letzten Trainingswochen verliefen hervorragend, was mich entsprechend zuversichtlich an den Start gehen liess. Einzig die aufkommenden schwarzen Wolken am Horizont und die starke Brise, die uns beim Einlaufen entgegen bliess, gaben mir ein bisschen zu denken. Im Wissen, dass es bei windigen Verhältnissen noch wichtiger ist, eine gute Gruppe zu erwischen und sich möglichst lange zu verstecken, ging ich ins Rennen.

Da ich nicht für die gleichzeitig stattfindende Halbmarathon-WM selektioniert war, musste ich im Massenrennen ungefähr 50 Meter hinter den WM-Teilnehmern starten. Das verleitete leider zu einem (zu) schnellen Loslaufen, wobei auf den ersten fünf Kilometern noch Rückenwind herrschte. So passierte ich taktisch unklug die fünf Kilometermarke bereits nach 15:10 Min. und erst noch zwischen zwei Gruppen. Deshalb liess ich mich anschliessend zurückfallen und versuchte bis Kilometer 15 vom Windschatten der anderen Läufer zu profitieren. Denn erst ab dort bis ins Ziel bliess der Wind wieder von hinten. Mittlerweile hatte meine Gruppe im Gegenwind jedoch so viel Zeit verloren, dass meine persönliche Bestleistung ausser Reichweite gerückt war. Ich gab auf den letzten Kilometern noch alles und konnte sogar Christian Kreienbühl, der dieses Jahr bereits 1:04:45 gelaufen war und an den Olympischen Spielen in Rio im Marathon teilnahm, um einige Sekunden distanzieren. Trotzdem reichte es mir «nur» zu ein bisschen enttäuschenden 1:06:09, wobei ich mit meiner Platzierung einigermassen zufrieden sein kann.

Nun werde ich nach dem Heitenriederlauf in knapp zwei Wochen noch versuchen, zumindest meine 10’000 Meter Bestzeit zu verbessern, um der Selektionskommission von Swiss Athletics zu zeigen, dass ich in Form bin. Denn diese wird Ende April entscheiden, wer an den Europameisterschaften in Berlin im Marathon für die Schweiz starten darf. Und da hoffe ich natürlich, zu den sechs auserwählten Läufern zu gehören!

Link zum Sportpanorama-Beitrag über Julien Wanders an der Halbmarathon-WM


06.03.2018

Erleichterung in Payerne

Beim ASICS Bremgarter Reusslauf setzte es eine Enttäuschung für mich ab. Immer noch müde vom Trainingslager und noch nicht richtig an die Kälte gewöhnt büsste ich relativ viel Zeit auf die Spitze ein. Mit einem Rückstand von 1:18 Minuten auf den Sieger Tefera Mekonen klassierte ich mich auf dem siebten Rang.

Um einen weiteren Anhaltspunkt zu erhalten, wie es wirklich um meine Form steht, entschied ich mich gemeinsam mit meinen Coach kurzfristig dazu, eine Woche später am 10 km de Payerne zu starten. Und siehe da, meine Beine liefen schon viel besser. Mit nur noch 15 Sekunden Rückstand belegte ich den zweiten Rang wiederum hinter dem Äthiopier Tefera Mekonen. Erleichtert und mit zusätzlicher Motivation geht es nun für mich in die letzten harten Trainingswochen vor dem Halbmarathon in Valencia.

Quelle Fotos: Daniel Mitchell


11.02.2018

Durchzogenes Fazit

2 Wochen top, 1 Woche out, 2 Wochen okay – Das ist mein kurzes Fazit vom diesjährigen Trainingslager in Kenia! Sportlich kann ich sicher nicht zufrieden sein, weil ich einige Trainingseinheiten wegen einer starken Erkältung und mangels Energie auslassen musste. Dafür konnte ich dank dem Aufenthalt in der letzten Woche in Kiambogo im Run2gether-Camp tolle Erfahrungen in einem richtigen kenianischen Laufcamp sammeln. Ausserdem unternahm ich zur Erholung mit meiner Verlobten, meiner Schwester und meinem besten Freund aus Jugendzeiten eine spannende Safari, was mir Land und Leute (und Tiere) nochmals näherbrachte (siehe Fotos unten).

Nun geht es zum Glück gesund und motiviert nach Hause, um weiter an meinem Formaufbau zu arbeiten. Einen ersten Test werde ich Ende Februar am ASICS Bremgarter Reusslauf absolvieren, bevor dann einen Monat später der Halbmarathon in Valencia in Angriff genommen wird. Da im Rahmen dieses Rennens auch die Halbmarathon-Weltmeisterschaften ausgetragen werden, wird nebst der Strecke und hoffentlich den Bedingungen auch das Teilnehmerfeld phänomenal sein. Ich freue mich jedenfalls darauf!