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12.06.2017

European 10‘000m Cup in Minsk/BLR

Zwei Tage, ein Wettkampf und tausende Eindrücke – etwa so lässt sich mein Ausflug nach Minsk an den 10‘000 Meter Europacup zusammenfassen. Am Freitagmorgen machten sich Martina Tresch, ihr Freund Marian Janoska und ich von Bern via Genf auf den Weg nach Minsk. Freundlich wurden wir am Flughafen von Volunteers empfangen und direkt ins schöne 4-Sterne-Hotel Victoria Olimp gebracht. Kurze Zeit später ging es bereits zur Stadionbesichtigung, welche mit einem lockeren Läufchen abgerundet wurde. Nach einem feinen Abendessen im Hotel sank ich anschliessend ziemlich müde ins Bett.

Der erste Eindruck von Minsk, welches am Fluss Swislatsch liegt, überraschte mich. Ich erwartete eine rückständige, heruntergekommene und eventuell eher schmuddelige alte Sowjet-Stadt. Doch ich fand eine schöne, sehr saubere und moderne Metropole vor, welche grosszügige Strassen, Plätze und Grünflächen zu bieten hat. Wie ich später erfuhr, wurde fast die ganze Stadt im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach auf dem Reissbrett neu geplant.

Am Samstag absolvierte ich die ganze normale Wettkampfvorbereitung mit Morgenjogging, kohlenhydratreichem Frühstück, Kartoffelstock-Mittagessen und Power Nap. Nach dem Einlaufen und der Prozedur mit Call Room 1 und 2 stand ich dann um 16:20 Uhr bei drückender Hitze an der Startlinie, um die 25 Runden in Angriff zu nehmen. Man hätte sich in diesem Moment zwar angenehmeres vorstellen können als 10`000 Meter zu laufen, aber ich war topmotiviert die 30-Minuten-Grenze zu durchbrechen.

Es ging ziemlich zügig los, und ich fand Unterschlupf in der zweiten Gruppe (der 1. Kilometer passierten wir in 2:55, die 3-Kilometer-Marke bei 8:50). Das hohe Anfangstempo konnten die Konkurrenten in meiner Gruppe zum Glück nicht ganz halten, sodass ich langsam einen relativ angenehmen Rhythmus fand. Bei Rennhälfte lagen wir mit 14:55 immer noch gut auf Kurs. Allmählich wurde es jedoch richtig hart und meine Gruppe verkleinerte sich stetig. Die letzten zwei Kilometer nahm ich dann gemeinsam mit dem Italiener Lorenzo Dini und dem Türken Sezgin Ataç in Angriff, die ich erst auf der letzten Runde ziehen lassen musste.

Völlig erschöpft benötigte ich im Ziel zuerst einmal einige Minuten zur Erholung. Mit 30:10,86 verpasste ich zwar die angestrebte Zeit, realisierte jedoch eine neue persönliche Bestzeit (PB) und klassierte mich mit dem 6. Rang in meiner Serie und dem 19. Gesamtrang weiter vorne als erwartet. Zudem zeigte sich beim Studieren der Rangliste, dass bei diesen Bedingungen fast alle eine halbe Minute oder mehr auf ihre PB verloren hatten, was meine Zeit entsprechend aufwertet. Somit war ich gar nicht so unzufrieden mit meiner Leistung und genoss den späteren Nachmittag in der Innenstadt von Minsk mit Martina (welche leider rund eine halbe Minute hinter ihrer PB blieb) und Marian beim Burger-Essen, bevor es dann am Abend an die Closing Party ging. Nach kurzer Nacht brachte uns ein Shuttlebus bereits um 6:00 Uhr an den Minsker Flughafen, von wo wir ohne Komplikationen wieder in die Schweiz reisten.

An dieser Stelle herzlichen Dank an Swiss Athletics für die Selektion sowie an Belarus Athletics und European Athletics für die tolle Organisation! Einziger Kritikpunkt: Wenn man das nächste Mal den Start noch auf den Abend verschieben würde, könnten die Athleten von besseren Bedingungen profitieren und noch schnellere Zeiten laufen. Übrigens, der erste Eindruck von Minsk bestätigte sich. Mir gefällt die Stadt nach wie vor sehr gut.

Videobeitrag: Youtube

Quelle Fotos: Belarus Athletic Federation


29.05.2017

Back on track

Nachdem ich letztes Jahr wegen der EM in Amsterdam vor allem auf den Halbmarathon gesetzt hatte, schwankte meine Gemütslage nun vor den ersten beiden 5000-Meter-Rennen dieses Jahres zwischen Vorfreude und Ungewissheit. An der Langen Laufnacht in Karlsruhe/GER ging ich bewusst defensiv ins Rennen und kam dank einer schnelleren zweiten Hälfte in zufriedenstellenden 14:15,47 ins Ziel. Eine Woche später am IFAM in Oordegem/BEL startete ich dann mutiger und offensiver, um an meine persönliche Bestzeit heranzulaufen. Diese verpasste ich aber mit 14:12,89 um ziemlich genau zehn Sekunden, da ich auf den letzten paar Runden dem schnellen Anfangstempo Tribut zollen musste.

Um nochmals einen Schritt vorwärts zu machen, werde ich nach dem 10‘000 Meter Europacup, der in knapp zwei Wochen in Minsk/BLR stattfindet, einen Monat lang keine Wettkämpfe bestreiten und mich gänzlich dem Training widmen. So hoffe ich, dass ich Mitte Juli in noch besserer Verfassung ein bis zwei 5000-Meter-Rennen absolvieren kann. Denn die zwei Meetings in Deutschland und Belgien haben mir wieder einmal gezeigt, wie einzigartig die Stimmung an solchen Bahnwettkämpfen ist. Ich meine, seht euch diese beiden Bilder von Karlsruhe an (Quelle: Lange Laufnacht):


14.05.2017

Premieren für Kempf und Giudice

Andreas Kempf wurde im Männerrennen des Altstadt-GP seiner Favoritenrolle gerecht. Bei den Frauen lief die 15-jährige Laura Giudice erstmals bei den Erwachsenen auf ein Podest.

Andreas Kempf bedeutete der erste Erfolg im Altstadt-GP viel. «Läufer wie Christian Belz und Philippe Bandi figurieren in der Siegerliste dieses Rennens», sagte der Freiburger, der am Dienstag 29 Jahre alt wird. In diesem Jahr war Kempf als Favorit über die 4.7 km gestartet.

«Ich bin mir bewusst, dass das Feld nicht so stark besetzt war», gab er zu. Mit Triathlet Florin Salvisberg verzichtete ein starker Konkurrent kurzfristig auf den Start. Auch Orientierungsläufer wie etwa Matthias Kyburz fehlten diesmal, weil der Altstadt-GP nicht in ihren Wettkampfkalender passten.

Kempf wurde erst vom Eritreer Sium Zerehannes (TV Olten) und Binyam Furui (ST Bern) begleitet. Mit letzterem hatte er kürzlich ein Bahntraining absolviert. «Ich wusste, dass er ein guter Athlet ist, ich aber eigentlich besser bin», sagte der Sieger. Beim Zytglogge setzte sich Kempf ab und lief einem ungefährdeten Sieg entgegen. Mit der Zeit von 14:22 Minuten war er nicht vollumfänglich zufrieden. «Ich musste lange alleine laufen», gab er zu bedenken.

In zwei Wochen will Kempf in einem 5000-m-Rennen in Oordegem (BEL) seine persönliche Bestzeit von 14:02 Minuten unterbieten. Im weiteren Saisonverlauf hat er den Freiburger Kantonalrekord von Rolf Rüfenacht über diese Strecke (13:55) im Visier.

Kempfs Fokus richtet sich auch bereits auf die Saison 2018 und die EM in Berlin. Noch ist nicht klar, ob er sich über 5000 m, 10`000 m oder gar im Marathon dafür qualifizieren will. «Im Herbst will ich einen ersten Marathon laufen. So könnte ich abschätzen, ob ich längerfristig auf diese Strecke setzen möchte», sagt der WG-Partner des Spitzenläufers Adrian Lehmann.

Als dieser im April für drei Wochen zu Trainingszwecken verreist war, übernachtete Kempf in dessen Zimmer. In diesem lässt sich dank eines Generators der Sauerstoffgehalt auf ein Niveau absenken, das in der Natur auf 2500 m herrscht. Kempf absolvierte so in Liebefeld ein dreiwöchiges «Höhentrainingslager», ohne verreisen zu müssen.

Text: Berner Zeitung vom 14.05.2017

Fotos: Andreas Blatter

Videobeitrag: TeleBärn


25.04.2017

Gelungener Test am Sensler Frühlingslauf

Text LAT Sense: Der Europameister schlägt zu!

Andreas Kempf gewinnt in überlegener Manier den 4. Sensler Frühlingslauf. Nachdem er auf der ersten Runde noch etwas taktisch lief, drehte er auf der zweiten Runde auf und konnte Adrian Jenny und Jari Piller problemlos auf die Plätze verweisen. Nachdem er sich anfangs Jahr gleich zweimal als Vize-Schweizermeister küren lassen konnte, musste er aufgrund einer Viruserkrankung kurzzeitig den Trainingsumfang reduzieren. Dies hinderte ihn aber nicht daran, beim Sensler Frühlingslauf in alter Stärke zurückzukehren und locker zu gewinnen.

Freiburger Nachrichten: An der vierten Ausgabe des Sensler Frühlingslaufs siegten Andreas Kempf und Regula Zahno überlegen. Insgesamt 723 Läuferinnen und Läufer nahmen am vom LAT Sense organisierten Wettkampf teil.

Nach der ersten Runde der insgesamt 12,6 Kilometer langen Laufstrecke des Sensler Frühlingslaufs, der am Samstag in Tafers stattgefunden hat, liefen Andreas Kempf (TSV Düdingen), Adrian Jenny (Team Mahu) und Jari Piller (TSV Düdingen) noch nahe beieinander. «Kempf sollte eigentlich einen schnelleren Rhythmus rennen können», kommentierte der Speaker. Bei diesen Worten zog der Vorjahressieger Kempf sofort von dannen – auch wenn er später im Ziel sagte, er habe den Kommentar gar nicht gehört.

Am Ende war Andreas Kempf mit 42:22 Minuten fast eine Minute schneller als Jenny, der in der Kategorie M30 siegte. Jari Piller, nach Kempf Zweiter bei den M20, hatte einen Rückstand von 1:34 Minuten. Erstaunlich ist Kempfs Sieg nicht, da er deutlich mehr in den Laufsport investiert als Jenny und Piller. «Ich kann umfangreicher trainieren und habe mehr Zeit für die Erholung», sagte Kempf. Dennoch war der erfolgreiche Lauf am Samstag für ihn nicht selbstverständlich: Aufgrund eines Virus war er drei Wochen lang krank gewesen und hatte gar nicht trainieren können. «Ich bin jetzt seit drei Wochen wieder im Training, der Test heute ist gelungen.» Als Nächstes steht bei Kempf der Altstadt-GP in Bern an, anschliessend möchte er den Freiburger Rekord über 5000 Meter auf der Bahn von Rolf Rüfenacht knacken. «Wegen des Virus muss ich jetzt vielleicht etwas zurückbuchstabieren.»


22.04.2017

Liebefeld, 2500 m ü. M.

Seit Ostersonntag verbringe ich die Nacht und, sofern es der Terminplan zulässt, auch einige Stunden am Tag im Zimmer von meinem Mitbewohner Adrian Lehmann, welches temporär zu einem Höhenzimmer umfunktioniert werden kann. Da Ädu zu Trainingslagerzwecken drei Wochen verreist ist, kann ich ohne ihn zu stören einen dreiwöchigen Höhenblock bei uns in der BigFriends-Läufer-WG absolvieren. Der Sauerstoffgehalt im Zimmer entspricht ungefähr der Höhe von 2500 Metern über Meer.

Bereits letzten Herbst durfte ich in Magglingen Erfahrungen mit einem Aufenthalt in einem Höhenzimmer sammeln. In den Freiburger Nachrichten wurde der Vorteil damals folgendermassen erklärt: Dank dem Spezialzimmer trainierte Kempf in den letzten Wochen nach der etablierten Höhentrainingsmethode «live high – train low». «Dadurch hat man auf der einen Seite den Effekt der Höhe, kann aber auf der anderen Seite auch von der höheren Qualität des Trainings im Flachland profitieren», hält der Läufer fest. Anders als in den Bergen müsse das Training nicht angepasst werden, und auch der Pulswert bleibe in denselben Bereichen wie sonst.

Morgen werde ich nun am Sensler Frühlingslauf einen ersten Test unter Wettkampfbedingungen absolvieren. Die Wetterprognosen sind gut, und ich freue mich, wieder einmal an meiner alten Trainingsstätte in Tafers zu laufen!