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08.02.2017

Kenia 2017: Zahlen und Fakten

Einen Monat Trainingslager in Kenia gehören der Vergangenheit an! Es war eine sehr schöne, teilweise ziemlich harte und vor allem ausserordentlich trainingsintensive Zeit. Folgende Zahlen sind während meinem Aufenthalt vom 09.01. bis am 08.02.2017 in der Läuferhochburg Iten auf 2400 Meter über Meer zusammengekommen:

720 Trainingskilometer, im Durchschnitt rund 23,2 Kilometer pro Tag

114 Runden auf dem Kamariny Track (Länge je nach Quelle 400 bis 408 Metern), der sagenumwobenen Aschenbahn von Iten

53 Trainingseinheiten verteilt auf 31 Tage in Iten

35 vertilgte Bananen (meistens, wenn überhaupt, das Einzige, welches ich vor der ersten Trainingseinheit morgens um 7:00 Uhr zu mir nahm)

26 vertilgte Mangos, welche hier einfach unglaublich schmackhaft und süss sind

25 Grad Celsius, die durchschnittliche Tageshöchsttemperatur im Januar in Iten

22 Runden auf der Tartanbahn, welche ich nur für eine Trainingseinheit (15x 400 Meter mit 200 Meter Trabpause) nutzte, da der Eintrittspreis stolze KSH 2000.- (ca. CHF 20.-) beträgt

20 Winforce PowerPro Shakes, die ich häufig nach Trainings zur Unterstützung der Regeneration trank

19 Stunden im hoteleigenen Fitnessraum, die ich mit Kräftigungsübungen, der Blackroll und Dehnen verbrachte

14 Personen, mit denen ich gleichzeitig in einem VW-Bus mit 9 Sitzplätzen, einem sogenannten Matatu, sass (das Credo lautet: „A matatu is never full!“)

9,25 Stunden Schlaf durchschnittlich pro Tag inkl. Mittagsschlaf

9 Paar ASICS Laufschuhe, die ich nach Kenia mitnahm

8 Massagen, für welche man preiswerte KSH 1000.- (ca. CHF 10.-) pro Stunde bezahlt

6 gesehene Giraffen bei einem kurzen Abstecher in die Kruger Farm

5 Personen, die ich einmal gleichzeitig auf einem Motorrad sah (3 Personen ist in Kenia keine Seltenheit)

4 Paar ASICS Laufschuhe, die ich nach Hause zurücknahm (der Rest verschenkte ich am Ende des Lagers an das Hotelpersonal, denn Laufschuhe sind nach wie vor eine heiss begehrte Ware in Iten)

3,5 Liter Flüssigkeit, die ich ungefähr pro Tag trank

3,01 Regentage, wobei der Niederschlag ausschliesslich am Abend/in der Nacht kam

3 gelesene Bücher („Wunderläuferland Kenia“, „Harry Potter and the Cursed Child“ und „88 Dinge, die ein Läufer wissen muss“)

2 verpasste Trainingseinheiten aufgrund von Bauchschmerzen (man sollte nicht zu experimentierfreudig sein beim Essen und die Regel „boil it, cook it, peel it or forget it“ befolgen)

1 Grand-Slam-Titel von Roger Federer, welcher ich über dreieinhalb Stunden vor dem Fernseher an der Hotelbar erdulden musste

0 Mal rasiert, da beim stressigen Trainingslageralltag einfach keine Zeit dafür blieb ;-)

Ob mich diese Zahlen schlussendlich zu Medaillen und neuen Bestzeiten führen werden, teste ich unter anderem an den Hallen-, Cross- und 10-Kilometer-Schweizermeisterschaften in den nächsten paar Wochen. Hier findet ihr noch einige Impressionen vom Trainingslager:


23.01.2017

Masterstudium und (vorläufig) zurück auf die Bahn

Mittlerweile sind über zwei Wochen hier in Iten auf 2400 Meter über Meer vergangen. Weil mein Coach und ich kurzfristig entschieden haben, dass ich noch eine Woche zusätzlich im kenianischen Hochland anhänge, stehe ich erst bei Halbzeit des Trainingslagers. Einerseits erhoffen wir uns dadurch einen noch besseren Effekt der Höhe auf meinen Körper, andererseits kann ich so noch eine Woche länger optimal an der Wärme trainieren. Zudem lässt meine neue Lebenssituation eine solche spontane Entscheidung zu. Denn im 2017 bin ich nur noch als Aushilfe auf Stundenlohnbasis bei BigFriends angestellt. Dafür beginne ich im Frühlingssemester ein Masterstudium in Betriebswirtschaft (BWL) mit Vertiefung Management an der Universität Bern.

In Absprache mit meinem Umfeld bin ich zum Schluss gekommen, dass ich nach einigen Jahren als Teilzeitangestellter neben dem Laufsport nicht mehr genügend herausgefordert bin. Des Weiteren möchte ich mit einem Nachfolgestudium meines Bachelor-Diploms in BWL in meine berufliche Zukunft investieren. An dieser Stelle danke ich meinem früheren Arbeitgeber Protekta Rechtsschutzversicherung AG und vor allem meinem nach wie vor aktuellen Arbeitgeber und Sponsor BigFriends recht herzlich für die flexiblen Arbeitsstellen und die Unterstützung.

Kurz zusammengefasst werde ich also die nächsten eineinhalb bis zwei Jahre wieder studieren, nach Möglichkeit in den Sportgeschäften von BigFriends aushelfen und am allerwichtigsten, ich werde versuchen noch mehr Zeit ins Training und in die Erholung zu stecken, um mich sportlich weiterzuentwickeln. Meine Ziele im 2017 sehen folgendermassen aus:

• Medaillengewinn an den Schweizermeisterschaften in der Halle, im Cross und über 10 Kilometer auf der Strasse
• Qualifikation für die Jeux de la Francophonie über 10‘000 Meter auf der Bahn (Limite 30:05)
• Freiburger Rekord über 5000 Meter (13:55,28) unterbieten

Im 2018 will ich mich dann über 5000 oder 10‘000 Meter für die Europameisterschaften in Berlin qualifizieren. Anschliessend wäre die Idee, sofern mein Körper sowie mein Umfeld mitmachen und meine Motivation weiterhin stimmt, das Projekt Marathon in Angriff zu nehmen.

Ihr seht, ich habe auch neben dem Masterstudium läuferisch noch viel vor. Ich bin jedenfalls gespannt, wohin und wie weit mich der sportliche Weg noch führt. Das Training hier in Kenia verläuft zumindest sehr zufriedenstellend und mein Körper ist in bester Verfassung. Die vielen kleinen und feinen Unterschiede zum Trainingsalltag in der Schweiz habe ich letztes Jahr in einem Blog-Beitrag für running.COACH versucht zusammenzufassen.

PS: Da die Upload-Geschwindigkeit der Internetverbindung momentan hier etwa unserem Tempo beim Treppensteigen entspricht, konnte ich nur ein Bild hochladen (dafür ein passendes). ;-)


15.01.2017

Vom weissen Schnee zur roten Erde

Wie im Vorjahr verbringe ich beinahe den ganzen Januar im Höhentrainingslager im Läuferparadies Iten (oder wie es die Einheimischen ganz bescheiden nennen: „Home of Champions“) in Kenia. Das Motto lautet wiederum „train – eat – sleep – repeat“. Es ist sowieso praktisch alles wie letztes Jahr: Die Kenianer empfingen uns überaus nett, das Hotel Kerio View bietet eine angenehme Unterkunft, das Essen schmeckt hervorragend, die Internetverbindung funktioniert einigermassen und die zwei Lauftrainings pro Tag werden am Morgenfrüh und am späteren Nachmittag auf wunderschönen, coupierten Strecken absolviert.

Jedoch heissen meine Trainingspartner dieses Mal ein bisschen anders. Gemeinsam mit meinem Mitbewohner Chrigi Gmür, dem langjährigen Tessiner Weggefährten Adriano Engelhardt und dem Marathon-Schweizermeister Stefan Trummer reiste ich vor einer Woche via Nairobi nach Iten. Dort trafen wir auf die beiden weiteren Schweizer Marathonläufer Michael Ott und Christoph Rüthemann, welche bereits seit Ende Dezember im Kerio View weilen. Leider konnten dieses Jahr Adrian Lehmann und Christian Kreienbühl verletzungshalber nicht mitkommen.

Gemeinsam versuchen wir sechs Schweizer hier im kenianischen Hochland unsere Grundlagenausdauer zu verbessern, und uns somit eine gute Basis für die nächste Saison zu erarbeiten. Wegen der Akklimatisationszeit auf 2400 m ü. M. spulte ich in der ersten Woche fast nur lockere Dauerläufe ab, wobei meine Garmin-Uhr dafür bereits fast 170 Kilometer anzeigt. Immer in kurzen Hosen unterwegs ist es mir hier momentan sicher wohler zum Trainieren als in der tief verschneiten Schweiz.

Ich melde mich wieder nach den ersten härteren Trainingseinheiten und schicke sonnige Grüsse, euer Andreas


10.01.2017

In eisiger Kälte nur vom Berglauf-Weltmeister geschlagen

Beim UBS Cross im Leimacker in Düdingen am letzten Samstag, der zugleich als Freiburger Cross-Meisterschaft zählte, feierte der Berglauf-Weltmeister Joseph Gray aus Colorado Springs einen klaren Start-Ziel-Sieg.

Gray ist 1984 in Lakewood/USA geboren und studierte bis 2006 Soziologie an der Oklahoma State University. Seither ist er Profiläufer und besitzt im Wallis ein Ferienhaus, von wo aus er in Europa Rennen absolviert. So gewann er 2009 und 2016 den berühmten Pfändlerlauf im vorarlbergischen Bregenz, 2013 den Glacier 3000 Run in Gstaad und 2016 die Berglauf-Weltmeisterschaft im bulgarischen Saparewa Banja. 2015 wurde er mit dem «USA Mountain Runner of the Year Award» ausgezeichnet.

In Düdingen zog Gray los wie die Feuerwehr und nahm in der ersten von neun Runden dem Lokalmatadoren Andreas Kempf bereits 50 Meter ab. Dieser sah bald ein und realisierte, dass er gegen Gray keine Chance hatte. Entsprechend lief er dann bis zur vorletzten Runde zusammen mit dem Äthiopier Mekonen Tefera (TVL), dem Sieger des letzten Freiburger Halbmarathons in Courtepin, Geronimo von Wartburg (LV Winterthur) und David Lustenberger (LV Horw).

Auf der Schlussrunde zog Kempf dann etwas an und nahm Tefera rund acht Sekunden ab. Von Wartburg und Lustenberger belegten die letzten Plätze dieses Quartetts. Gray lief bis ins Ziel einen Vorsprung von über einer Minute heraus. «Ich habe schon früh gemerkt, dass gegen Gray nichts auszurichten war, obwohl ich damals noch nicht wusste, dass es sich um einen der grössten Bergläufer der Welt und starken Crossläufer handelt», sagte Kempf, der am Sonntag in ein mehrwöchiges Trainingslager nach Kenia abgeflogen ist. Erste Saisonziele sind dann die Hallenmeisterschaften in Magglingen und die Schweizer Cross-Meisterschaften in Köniz, «einen Kilometer von meiner Läufer-WG entfernt». In dieser Saison wolle er seine Bestzeiten über 5000 und 10 000 Meter weiter verbessern. Er bleibe selbstverständlich weiterhin beim TSV Düdingen, meinte der gebürtige Heitenrieder abschliessend.

Text: Freiburger Nachrichten vom 10.01.2017

Fotos: Daniel Werthmüller und privat


13.12.2016

Klug, aber nicht unwiderstehlich gelaufen

Cross-Europameisterschaften in Chia/ITA auf Sardinien

Letzten Sonntag um 13:10 Uhr war es soweit. 80 Läufer vereinten sich bei der Elite-Kategorie der Männer am Start. Die Sonne brannte von oben und das Thermometer zeigte auf der beliebten Ferieninsel 20 Grad Celsius an. Marco Kern, der zweite Schweizer im Feld, und ich standen nebeneinander in der helvetischen Startbox und sahen den flachen, sehr schnellen Wiesen-Parcours vor uns. Einzig drei Strohballen-Hindernisse und drei kleine giftige Hügel waren auf der 1500 Meter langen Runde, welche sechsmal zu absolvieren war, zu erkennen. Gemeinsam mit dem Betreuerteam hatten wir am Vorabend eine klare Taktik vereinbart: „gemächlich“ starten, einen guten Rhythmus finden und ab Rennhälfte die zu schnell gestarteten Läufer einsammeln.

Ohne in ein Gerangel zu geraten, reihten sich Marco und ich auf der Startschlaufe um Position 75 ein. Den ersten Kilometer, wo man eigentlich erst auf die richtige Runde einbog, passierten wir bei 2:55 Minuten. „Genau richtig!“, dachten wir und absolvierten den zweiten Kilometer weiterhin hinten im Feld in rund drei Minuten. Danach begann unsere Aufholjagd. Wir machten langsam aber sicher Position um Position gut. Nicht dass wir schneller wurden, aber wir bauten dank dem vernünftigen Start weniger ab als die meisten anderen Läufer. Dank abwechselnder Führungsarbeit stiessen wir zwei Runden vor Schluss bis auf den 60. Rang vor. Leider konnte ich ab dort Marco nicht mehr ganz folgen. Schlussendlich lief er als 50. und ich als 57. ein. Unsere Endzeiten für die 9940 Meter lange Strecke betrugen 30:05 resp. 30:28 Minuten. Die gesamte Rangliste kann unter diesem Link angeschaut werden. Das harte Rennen und die ungewohnten Dezember-Temperaturen schienen allen Läufern zu schaffen zu machen. Wie tote Fliegen und mit hochrotem Kopf lagen, sassen oder sich an den Betreuer haltend standen sie im Zielbereich. Bei der Closing-Party schien es aber allen wieder gut (oder zu gut) zu gehen. ;-) An dieser Stelle möchte ich meinen Schweizer Teamkollegen/innen zu ihren tollen Resultaten gratulieren und mich bei unseren Betreuern vor Ort herzlich bedanken.

Mittlerweile bin ich wieder wohlauf in der Schweiz gelandet und motiviert, den nicht mehr allzu grossen Abstand zum europäischen Mittelfeld im nächsten Jahr wettzumachen. Deshalb werde ich auch dieses Jahr wieder fast den ganzen Januar im Trainingslager im kenianischen Hochland verbringen. Einen Tag vor der Abreise werde ich aber noch versuchen, das UBS Cross Düdingen erstmals zu gewinnen. Nun wünsche ich euch allen eine schöne Weihnachtszeit und bereits jetzt einen guten Rutsch in ein hoffentlich spannendes neues Jahr!

Für weitere Impressionen einfach das untere Bild öffnen und nach rechts klicken: